{"id":59,"date":"2017-04-25T17:34:25","date_gmt":"2017-04-25T17:34:25","guid":{"rendered":"http:\/\/christiankoehn.de\/?p=59"},"modified":"2018-12-22T10:03:16","modified_gmt":"2018-12-22T08:03:16","slug":"johannes-brahms-walzer-op-39","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankoehn.de\/?p=59","title":{"rendered":"Johannes Brahms, Walzer op. 39"},"content":{"rendered":"<p>Die allererste eigene Komposition, die Johannes Brahms als knapp 16j\u00e4hriger \u00f6ffentlich spielte, war eine &#8222;Phantasie \u00fcber einen beliebten Walzer&#8220;. <!--more-->Der Komponist hat sie &#8211; wie fast alle Jugendwerke &#8211; offenbar sp\u00e4ter vernichtet. Walzerankl\u00e4nge gibt es von der f-moll-Sonate \u00fcber das zweite Streichsextett, die Paganini-Variationen bis zur Es-Dur-Klarinettensonate in zahlreichen Brahmsschen Werken, und Brahms&#8216; Bewunderung f\u00fcr Johann Strauss kannte fast keine Grenzen. Mit den 16 Walzern op. 39 f\u00fcr Klavier zu vier H\u00e4nden schrieb er 1866 zum ersten Mal einen ganzen Walzer-Zyklus (dem sp\u00e4ter noch die Liebeslieder op. 52 und die Neuen Liebeslieder op. 65 folgten). Der Widmungstr\u00e4ger Eduard Hanslick erkannte in diesen 16 kleinen St\u00fccken vor allem die Fortsetzung der Traditionslinie Beethoven-Schubert-Strauss und bescheinigte den St\u00fccken durchweg eine &#8222;schlichte Unbefangenheit&#8220;. In der Tat kann man die St\u00fccke in mancher Hinsicht &#8211; z.B. in ihrem zweiteiligen formalen Aufbau, ihrem begrenzten Umfang und ihrem &#8222;volkst\u00fcmlichen&#8220; Tonfall &#8211; als Fortsetzung Schubertscher Gebrauchsmusik sehen. Schaut man die Miniaturen allerdings genauer an, kann man sich \u00fcber Hanslicks Ignoranz nur wundern: Brahms geht in seinem Opus 39 u.a. in Bezug auf Vielfalt der Charaktere, Reichtum des Ausdrucks und Komplexit\u00e4t der Satzstrukturen weit \u00fcber das Schubertsche Vorbild hinaus. Das zeigt sich z.B. darin, dass nur f\u00fcnf der sechzehn Walzer die typische &#8222;hm-ta-ta-Begleitung&#8220; haben und andere &#8211; wie etwa der gleich hemiolisch im Zweiermetrum beginnende sechste &#8211; \u00fcberhaupt nur im zyklischen Zusammenhang als &#8222;Walzer&#8220; erkennbar sind. Die Walzer op. 39 stehen in einem typisch Brahmsschen Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Orientierung an der Tradition und deren Hinterfragung und \u00dcberschreitung. Beispielhaft zeigt sich diese innere Ambivalenz, wenn man den schwungvoll er\u00f6ffnenden ersten Walzer mit dem herben letzten vergleicht, der beinahe spr\u00f6de und in strenger Kontrapunktik auf jeglichen pianistischen Glanz und jede \u00e4u\u00dfere Schlusswirkung verzichtet und dem Gesamtzyklus damit nachtr\u00e4glich einen eigenartig doppelb\u00f6digen Charakter verleiht. So wie Brahms unter die Anfangstakte von &#8222;An der sch\u00f6nen blauen Donau&#8220; die ber\u00fchmten Worte schrieb &#8222;Leider nicht von mir!&#8220;, so distanziert er sich mit diesem einzigartigen Schlussst\u00fcck kompositorisch von seinem eigenen Werk. Das ist von schmerzlich ber\u00fchrender Intensit\u00e4t.<br \/>\nBrahms hat &#8211; auch das sehr ungew\u00f6hnlich &#8211; von den Walzern op. 39 neben der vierh\u00e4ndigen Orignalfassung gleich zwei vollst\u00e4ndige Bearbeitungen f\u00fcr Klavier zu zwei H\u00e4nden (eine davon erleichtert) ver\u00f6ffentlicht sowie sechs der Walzer zus\u00e4tzlich pianistisch anspruchsvoll f\u00fcr zwei Klaviere arrangiert. Sogar eine Orchesterfassung wurde kurz mit seinem Verleger diskutiert, kam aber letzten Endes nicht zustande.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die allererste eigene Komposition, die Johannes Brahms als knapp 16j\u00e4hriger \u00f6ffentlich spielte, war eine &#8222;Phantasie \u00fcber einen beliebten Walzer&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-59","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-werkbesprechungen"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=59"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":466,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59\/revisions\/466"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=59"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=59"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=59"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}