{"id":583,"date":"2025-06-28T11:18:45","date_gmt":"2025-06-28T09:18:45","guid":{"rendered":"https:\/\/christiankoehn.de\/?p=583"},"modified":"2025-07-21T15:30:38","modified_gmt":"2025-07-21T13:30:38","slug":"giselher_klebe_100-projekt-zum-100-geburtstag-von-giselher-klebe-an-der-hochschule-fuer-musik-detmold-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankoehn.de\/?p=583","title":{"rendered":"Giselher Klebe_100, Projekt zum 100. Geburtstag von Giselher Klebe an der Hochschule f\u00fcr Musik Detmold"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Programm Tasteninstrumente<\/h2>\n\n\n\n<p>16.11.2025, 11.30 Uhr, Konzerthaus Detmold<\/p>\n\n\n\n<p>Das Klavierwerk zieht sich durch alle Phasen von Giselher Klebes Gesamtwerk, angefangen von der Sonate f\u00fcr zwei Klaviere op. 4 bis zu \u201eThema und 39 Variationen\u201c op. 142 f\u00fcr Klavier solo. Es ist der einzige Werkkomplex, der fast vollst\u00e4ndig auf zwei CDs verf\u00fcgbar ist (die bereits aufgenommenen drei Romanzen op. 43 passten lediglich nicht mehr auf die CD und sind <a href=\"https:\/\/e.pcloud.link\/publink\/show?code=kZqe5lZ2qkSd7RrzVFdL9R2WDJl38s0FTtk\">hier<\/a> kostenlos h\u00f6rbar bzw. downloadbar).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Programm des Konzerts wird eingerahmt von zwei St\u00fccken f\u00fcr Klavierduo: Der besagten Sonate f\u00fcr zwei Klaviere zu Beginn und \u201eGlockent\u00fcrme\u201c op. 103 f\u00fcr Klavier zu vier H\u00e4nde am Ende des Konzerts, beides gespielt vom Klavierduo Silke-Thora Matthies\/Christian K\u00f6hn. Die Sonate aus dem Jahr 1949 besteht aus zwei S\u00e4tzen, von denen der zweite seinerseits zwei kontrastierende Abschnitte in der Form ABA\u2018 gegeneinandersetzt. Der Tonfall des ersten Satzes ist spielerisch, t\u00e4nzerisch und leicht, mit Ankl\u00e4ngen an Unterhaltungsmusik und Jazz, die Harmonik schwebt schon bei diesem fr\u00fchen Werk Klebe-typisch zwischen der Tonalit\u00e4t terzengeschichteter Akkorde und chromatischen Skalen bzw. Zw\u00f6lftonreihen. Die ruhige Melodie des zweiten Satzes wird urpl\u00f6tzlich von einem wilden Zw\u00f6lfton-Boogie-Woogie unterbrochen, woraufhin ebenso unvermittelt der variierte A-Teil wiederkehrt und leise ausklingt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eGlockent\u00fcrme\u201c op. 103 waren 1990 urspr\u00fcnglich als heiteres \u201eCarillon\u201c geplant. W\u00e4hrend der Komposition erhielt Klebe die Nachricht vom Tod seines lebenslangen Freundes Luigi Nono. Tief ersch\u00fcttert wandelte er Form und Ausdruck des bereits begonnenen St\u00fcckes zu einer drastischen Klage um den verstorbenen Freund. In seinem Werkkommentar betont Klebe, dass Struktur und Inhalt des eins\u00e4tzigen St\u00fcckes \u201eohne Erkl\u00e4rung erfa\u00dft\u201c werden k\u00f6nnen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eWiegenlieder f\u00fcr Christinchen\u201c op. 13 sind Klebes fr\u00fchester ver\u00f6ffentlichter Klavierzyklus. In ihnen setzt er sich mit der Technik der variablen Metren seines Lehrers Boris Blacher auseinander und verbindet sie mit der Dodekaphonie. Die neun St\u00fccke basieren auf einer gemeinsamen Allintervallreihe und sind in Br\u00fcckenform angeordnet: 1 korrespondiert mit 9, 2 mit 8 usw. In sp\u00e4teren Jahren spottete Klebe selbst \u00fcber diese Konstruktion und meinte \u201eWer wei\u00df denn schon beim neunten St\u00fcck noch, wie das erste war?\u201c. Als ich ihn nach dem vorangestellten Satz \u201eDie Metronomzahlen sind streng verbindlich!\u201c fragte, schaute er kopfsch\u00fcttelnd in die Noten und sagte \u201eSo einen Quatsch schreibt man nur, wenn man jung ist\u201c. Die \u00fcberwiegend zarten \u201eLieder\u201c (die Dynamik geht nie \u00fcber mf hinaus) sind extrem vielf\u00e4ltig und reichen in ihrem Ausdruck von innigem Gesang bis zu fr\u00f6hlichem Spiel. Zu h\u00f6ren sind sie hier von Elena Margolina-Hait.<\/p>\n\n\n\n<p>Jacob Leuschner wird anschlie\u00dfend die drei lyrischen \u201eRomanzen\u201c op. 43 spielen (siehe oben). Sie sind ein typisches Beispiel f\u00fcr den mittleren Klebe, bei dem der Ausdruck oft verhalten, noch ohne die zugespitzte Dramatik der sp\u00e4teren Werke wie z.B. der \u201eGlockent\u00fcrme\u201c war, bei denen aber fein abgestimmte Harmonien, Klangfarben und Melodien f\u00fcr eine breite Ausdrucksskala sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Klebes Orgelwerk wird in diesem Konzert durch die Passacaglia op. 56 vertreten, gespielt von Friedhelm Flamme. Das St\u00fcck entstand 1968 zur Einweihung der Orgel im \u201eKonzertsaal der Nordwestdeutschen Musikakademie\u201c, heute \u201eKonzerthaus Detmold\u201c, also f\u00fcr eben das Instrument auf dem es jetzt wieder erklingen wird. Klebe schrieb in seinem Werkkommentar: \u201eDrei Teile gliedern die Passcaglia op. 56; eine Einleitung, die zum Thema hinf\u00fchrt, ohne es zu intonieren, der Hauptteil mit einer Zw\u00f6lftonreiche als Basismodell der Variationen und ein Epilog, der die gewonnenen Gestalten gleichsam harmonisch einschmilzt. Die Variationen des Hauptteils gliedern sich in drei espressivo-Abschnitte, die jeweils nach forte-Aufschw\u00fcngen ins piano und pianissimo \u00fcbergehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgt der Klavierzyklus \u201eZornige Lieder ohne Worte\u201c op. 118 von 1995, der im Gegensatz zu den \u201eWiegenliedern\u201c und den Romanzen von harten Kontrasten, dramatischem Zugriff bei bewusst reduzierten Mitteln gepr\u00e4gt ist. Klebes Streben nach Einfachheit und Klarheit l\u00e4sst den Ausdruck umso pers\u00f6nlicher und schmerzvoller hervortreten. Die Titel der f\u00fcnf St\u00fccke lauten \u201eZorn\u201c, \u201eVerlassenheit\u201c, \u201eTrauer\u201c, \u201eAufbegehren\u201c und \u201eKassiber\u201c. Es spielt Alfredo Perl.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den \u201eGlockent\u00fcrmen\u201c (siehe oben) endet das Konzert.<\/p>\n\n\n\n<p>Christian K\u00f6hn<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Programm Tasteninstrumente 16.11.2025, 11.30 Uhr, Konzerthaus Detmold Das Klavierwerk zieht sich durch alle Phasen von Giselher Klebes Gesamtwerk, angefangen von der Sonate f\u00fcr zwei Klaviere op. 4 bis zu \u201eThema und 39 Variationen\u201c op. 142 f\u00fcr Klavier solo. 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