{"id":581,"date":"2025-06-28T11:19:26","date_gmt":"2025-06-28T09:19:26","guid":{"rendered":"https:\/\/christiankoehn.de\/?p=581"},"modified":"2025-07-21T15:30:21","modified_gmt":"2025-07-21T13:30:21","slug":"giselher_klebe_100-projekt-zum-100-geburtstag-von-giselher-klebe-an-der-hochschule-fuer-musik-detmold-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankoehn.de\/?p=581","title":{"rendered":"Giselher Klebe_100, Projekt zum 100. Geburtstag von Giselher Klebe an der Hochschule f\u00fcr Musik Detmold"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Instrumentale Kammermusik<\/h2>\n\n\n\n<p>15.11.2025, 19.30 Uhr, Konzerthaus Detmold<\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesem Konzert steht ein Querschnitt durch Giselher Klebes umfangreiche und vielf\u00e4ltige instrumentale Kammermusik auf dem Programm. Die stilistische Bandbreite erstreckt sich dabei von den seriell gepr\u00e4gten fr\u00fcheren Werken op. 14 und op. 22 bis zur dramatischen Unmittelbarkeit von op. 84. Dazwischen liegt mit der \u201eVer\u00e4nderung\u201c von Beethovens Mondscheinsonate op. 27 Nr. 2 zur Sonate f\u00fcr Horn und Klavier Klebes (meines Wissens einzige) Bearbeitung eines vollst\u00e4ndigen vorgegebenen Werkes.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Programm beginnt mit der ersten Sonate f\u00fcr Violine und Klavier op. 14 aus dem Jahr 1952, gespielt von Eckhard Fischer und Christian K\u00f6hn. Die Sonate besteht aus drei kurzen, ineinander \u00fcbergehenden S\u00e4tzen und ist von einer zarten, lyrischen Sch\u00f6nheit. Die Dynamik bewegt sich (wie schon bei dem zuvor entstandenen Klavierzyklus \u201eWiegenlieder f\u00fcr Christinchen\u201c op. 13) fast ausschlie\u00dflich vom dreifachen ppp bis zum mf, die zarten Kantilenen der Geige im letzten Satz liegen im obersten Register. Die streng zw\u00f6lft\u00f6nig organisierten Motivgruppen des Anfangs erfahren eine zun\u00e4chst z\u00f6gerliche, dann gefestigte Entwicklung und Verwandlung, die in den ausdrucksvollen Kantilenen des letzten Satzes ihr Ziel findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgt \u201eDer dunkle Gedanke\u201c f\u00fcr Klarinette alternierend mit Bassetthorn und Klavier op. 84, gespielt von Thomas Lindhorst und Christian K\u00f6hn. Die drei S\u00e4tze mit den \u00dcberschriften \u201eZorn\u201c, \u201eTrauer\u201c und \u201eDunkler Gesang\u201c schrieb Klebe 1979, die Urauff\u00fchrung spielten Hans Dietrich Klaus und Michael Wessel-Terhorn ein Jahr sp\u00e4ter. Klebes Werkkommentar aus dem Programmheft der Urauff\u00fchrung ist unver\u00e4ndert aktuell:<br>\u201e\u201eDer dunkle Gedanke\u201c (\u2026) ist die musikalische Manifestation einer umfassenden und tiefen Entt\u00e4uschung. Sie begann mit der Erkenntnis zu reifen, da\u00df der Mensch aus der Geschichte nicht zu lernen bereit ist. Die harte Wirklichkeit, da\u00df gro\u00dfe Teile des deutschen Volkes die bitteren Wahrheiten unserer Geschichte von 1933 \u2013 1945 zu verdr\u00e4ngen und zu verleugnen suchen (\u2026) kulminierte f\u00fcr mich zu einem umfassenden dunklen Gedankenbereich. Der ernste Wunsch, da\u00df diese Komposition zu Einkehr und Nachdenken beitragen m\u00f6ge, ist Leitgedanke beim Komponieren gewesen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musiksprache in diesem Werk ist einfach, direkt und ungesch\u00f6nt. Am Schluss bleibt die Klarinette nach dem \u201edunklen Gesang\u201c auf einem einzigen, immer wieder wiederholten, klagenden Halbtonschritt quasi stehen, untermauert von absteigenden Klavierakkorden und heftigen Ausbr\u00fcchen, eine Stelle, die mich jedes Mal tief bewegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Umarbeitung von Beethovens \u201eMondscheinsonate\u201c zur Sonate f\u00fcr Horn und Klavier op. 96 aus dem Jahre 1986 ist nach Klebes Worten als \u201eZeichen der Verehrung, eine Hommage \u00e0 Beethoven\u201c zu verstehen, einer Verehrung, die im Laufe seines Lebens nicht immer ungebrochen war (wie \u00fcbrigens auch die zu Bach), und die, wie er mir selbst erz\u00e4hlte, erst mit der Arbeit an diesem Werk wieder stabil wurde. Obwohl seine Umarbeitung alle musikalischen Parameter Melodie, Rhythmus, Metrum, Harmonie, Form und Klang umfasst, ist das Original jederzeit pr\u00e4sent und steht in einem ausdrucksstarken, oft \u00fcberraschenden Spannungsverh\u00e4ltnis zur Neuform. Dieses Werk geh\u00f6rt zu den wenigen, die man auch auf CD h\u00f6ren kann: Vor wenigen Jahren haben P\u0159emysl Vojta und Tobias Koch es sehr sch\u00f6n eingespielt. Bei unserem Konzert wird es von Anton Koch (nicht verwandt oder verschw\u00e4gert mit Tobias) und dem Beethoven-Spezialisten Alfredo Perl gespielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Harfe war eines von Giselher Klebes Lieblingsinstrumenten, er setzte au\u00dfer im Orchester bei diversen Kammermusikst\u00fccken und vor allem als Soloinstrument bei seinem Harfenkonzert op. 96 ein, erhielt u.a. den Kompositionspreis des Welt-Harfen-Kongresses in Kerkrade (Holland) 1978 und war Ehrenmitglied des Weltharfenzentrums Rockville. Bei unserem Konzert spielt Godelieve Schrama \u201eAlborada\u201c op. 77 f\u00fcr Harfe solo. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine vollkommen andere und ungew\u00f6hnliche \u201eKammermusikbesetzung\u201c folgt mit den Variationen \u00fcber ein Thema von Berlioz f\u00fcr Orgel und drei Schlagzeuger, op. 59. Friedhelm Flamme und Schlagzeuger von \u201eHfM Percussion\u201c (Leitung Peter Prommel) spielen das Werk aus dem Jahre 1970. Das Thema ist die Hirtenszene (dritter Satz) aus Berlioz\u2018 Symphonie fantastique, ein Komponist, den Klebe sehr sch\u00e4tzte und dessen Instrumentationslehre \u201eGrand Trait\u00e9 d\u2019instrumentation et d\u2019orchestration modernes\u201c er quasi auswendig kannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine der anspruchvollsten Aufgaben des Festivals haben danach Eckhard Fischer (Violine), Alexander Gebert (Violoncello) und Rinko Hama mit dem komplexen Klavertrio \u201eElegia appassionata\u201c op. 22. Der seriellen Organisation von Intervallen, Rhythmus, Dynamik und Klangfarben steht eine unmittelbar erfahrbare, breite Ausdrucksskala von \u201eleidenschaftlichen und z\u00e4rtlichen Empfindungen\u201c (Klebe) gegen\u00fcber. Dieses Ma\u00df an serieller Organisation hat Klebe danach nicht mehr angestrebt bzw. verwirklicht, weshalb dieses Werk im Gesamtprogramm einen wichtigen Meilenstein darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den vier Bagatellen f\u00fcr Bassetthorn, Posaune, Harfe und R\u00f6hrenglocken, op. 35 klingt das Konzert eher gel\u00f6st und spielerisch aus. &nbsp;Das St\u00fcck entstand 1960 und wird bei uns gespielt von Aloisa Hurt (Bassetthorn), Kevin Klein (Posaune), Godelieve Schrama (Harfe) und HfM Percussion (R\u00f6hrenglocken).<\/p>\n\n\n\n<p>Christian K\u00f6hn<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Instrumentale Kammermusik 15.11.2025, 19.30 Uhr, Konzerthaus Detmold Bei diesem Konzert steht ein Querschnitt durch Giselher Klebes umfangreiche und vielf\u00e4ltige instrumentale Kammermusik auf dem Programm. 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