{"id":422,"date":"2018-08-05T14:41:03","date_gmt":"2018-08-05T14:41:03","guid":{"rendered":"http:\/\/christiankoehn.de\/?p=422"},"modified":"2019-01-12T17:14:58","modified_gmt":"2019-01-12T15:14:58","slug":"charles-villiers-stanford-1852-1924","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankoehn.de\/?p=422","title":{"rendered":"Charles Villiers Stanford (1852-1924)"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Von Peter Westendorf<\/h4>\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-421\" src=\"https:\/\/christiankoehn.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Stanford-176x300.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/christiankoehn.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Stanford-176x300.jpg 176w, https:\/\/christiankoehn.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Stanford.jpg 351w\" sizes=\"auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><\/p>\n<p>Charles Villiers Stanford wurde als Sohn eines wohlhabenden irischen Anwalts am 30. September 1852 in Dublin geboren. Seine Familie war ausgesprochen musikalisch: Der Vater bet\u00e4tigte sich als S\u00e4nger, die Mutter als Pianistin. In diesem Umfeld wurde Stanfords au\u00dfergew\u00f6hnliches Talent schnell erkannt und gef\u00f6rdert. Als Kind lernte er Klavier und Orgel bei bekannten Lehrern in Dublin, und bei einer Reise der Familie nach London im Jahr 1864 kn\u00fcpfte Stanford bereits Kontakte zu dortigen Komponisten und Musikern, wie z.B. zu Sir Arthur Sullivan.<\/p>\n<p><!--more-->Stanford studierte seit 1862 in London bei Ernst Pauer und Arthur O&#8217;Leary, seit 1870 am Queens\u2019 College in Cambridge, von 1874 bis 1876 bei Carl Reinecke in Hamburg und Friedrich Kiel in Berlin. Seit Gr\u00fcndung des Royal College of Music in London 1883 lehrte er dort bis zu seinem Tode Komposition. 1887 wurde er au\u00dferdem Professor f\u00fcr Musik an der Universit\u00e4t Cambridge. Von 1885 bis 1902 leitete er den London Bach Choir, und von 1901 bis 1910 das Leeds Triennal Festival.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Hubert Parry und Edward Elgar trug Stanford gegen Ende des 19. Jahrhunderts wesentlich zur Erneuerung der englischen Musik bei. Stanford galt dabei als strenger Lehrer, der gegen\u00fcber seinen Studenten unnachgiebig auf Einhaltung kompositorischer Standards pochte und jede Schlamperei mit einem kurzen \u201eAll rot, m&#8217;boy\u201c (\u201eAlles Krampf, mein Junge\u201c) zu quittieren pflegte (Michael Kennedy, The Works of Ralph Vaughan Williams). Sein explosives Temperament brachte ihn auch immer wieder in Konflikt mit der Verwaltung der Universit\u00e4t, und auch einige seiner Sch\u00fcler distanzierten sich sp\u00e4ter von ihm.<\/p>\n<p>Eine ganze Komponistengeneration, unter anderem Gustav Holst und Ralph Vaughan Williams wurde durch ihn entscheidend beeinflusst. Zu seinen Sch\u00fclern z\u00e4hlten desweiteren: Sir Arthur Bliss, Herbert Howells, John Ireland, Sir George Dyson, Ernest John Moeran, Rebecca Clarke und der Dirigent Sir Eug\u00e8ne Goossens.<\/p>\n<p>Obwohl sein eigenes kompositorisches Schaffen sehr umfangreich ist, werden heutzutage nur noch wenige seiner Werke aufgef\u00fchrt. Seine \u00fcber 30 Chorwerke jedoch, darunter das prachtvolle Requiem op. 63, erfreuen sich nach wie vor einer gewissen Beliebtheit. In ihrer Zeit \u00e4u\u00dferst popul\u00e4r waren Stanfords \u201eSeest\u00fccke\u201c \u2013 die Ballade \u201eThe Revenge &#8211; A Ballad of the Fleet\u201c op. 24 nach Alfred Lord Tennyson, und die Vokalzyklen \u201eSongs of the Sea\u201c op. 91 bzw. \u201eSongs of the Fleet\u201c op. 117.<\/p>\n<p>Manche seiner Kompositionen zeigen starke Ankl\u00e4nge an die Musik von Johannes Brahms, gelegentlich auch an diejenige von Anton Bruckner. Gleichzeitig war er ein Pionier in der direkten Verwendung irischer Volkslieder in seinen sechs Irischen Rhapsodien und der 3. Sinfonie, die auch den Untertitel \u201eIrish\u201c tr\u00e4gt. Hierdurch, wie auch in seiner aktiven F\u00f6rderung der nachfolgenden Generation (auch als Dirigent und Administrator), ebnete er den Weg f\u00fcr die sogenannte \u201eEnglish Musical Renaissance\u201c zu Beginn des 20. Jahrhunderts, deren Haupt Ralph Vaughan Williams und Edward Elgar waren.<\/p>\n<p>Stanford schrieb relativ viel Klaviermusik, zumeist kleinteilige Werke f\u00fcr den Hausgebrauch, und weniger gro\u00df angelegte Werke wie z.B. Klaviersonaten. Demzufolge stellen diese St\u00fccke keine besonders hohen Anforderungen an einen Pianisten, was m\u00f6glicherweise ein Grund f\u00fcr die Seltenheit ihrer Auff\u00fchrungen sein k\u00f6nnte. In seiner Klaviermusik pflegte er einen eher konservativen Stil, der an Mendelssohn und Schumann orientiert ist und \u00fcber den mittleren Brahms nicht hinausgeht.<\/p>\n<p><strong>Werke f\u00fcr Klavier solo:<\/strong><\/p>\n<p>Suite op.2 (1875); Toccata C-Dur op. 3 (1875), Sonate Des-Dur op. 20 (1884), 6 Konzertst\u00fccke op.42 (1887) [nur 3 erhalten, der Rest ist verschollen], 10 T\u00e4nze \u201eOld and New&#8220; op. 58 (1894); 4 irische T\u00e4nze op. 89 (1903); 6 Charakterst\u00fccke op.132 (1875); 5 Capriccios op. 136 (1913); Nachtgedanken op.148 (1917); Ballettszenen op.150 (1917); 48 Preludes in all the Keys: 1-24 op. 163 (1919) und 25-48 op.179 (1921); Ballade g-Moll op. 170 (1919); 3 Walzer a-Moll, d-moIl und F-Dur op. 178 (1923); 3 Nocturnes op.184 (1921) [nur 2 erhalten, eines ist verschollen]; Dreistimmige Fuge c-Moll o.op. (1922); Vierstimmige Fuge h-Moll; 12 Irish Airs (1922); Zwei Novelletten (1874); Fare Well (in Memoriam Lord Kitchener 1916); 6 Song Tunes (1919 oder 1920); A Toy Story (1919 oder 1920); 2 Sonatinen: d-Moll und G-Dur (1922); 6 Skizzen o.op. (1918); 6 Walzer (1876); 12 Skizzen (1918); Three Fancies (1924); Five Irish Folk Tunes, specially arranged (1922); Marsch (1860); Une Fleur de Mai (1864)<\/p>\n<p><strong>Ferner:<\/strong> Serenade f\u00fcr 2 Klaviere &nbsp;op.17 (1882); 3 Konzerte f\u00fcr Klavier und Orchester: Nr. 1 G-Dur op. 59 (1896), Nr. 2 c-Moll op.126, sowie Nr.3 op. 171 (1919), sowie Konzertvariationen f\u00fcr Klavier und Orchester \u00dcber \u00abDown among the dead Men\u201c op.71 (1898).<\/p>\n<p>Zu Stanfords ambitionierteren Werken geh\u00f6ren wohl die beiden Zyklen von Pr\u00e4ludien durch alle Tonarten, wie sie bereits zuvor von Chopin oder Scriabin komponiert worden waren. Auch das Wohltemperierte Klavier von J.S. Bach d\u00fcrfte bei der Komposition eine Rolle gespielt haben, denn wie viele andere seiner Kollegen auch war Stanford ein gro\u00dfer Bewunderer dieses Meisters. Der erste Zyklus op.163 wurde im September 1918 vollendet, und ist chromatisch aufsteigend jeweils in Dur und Moll geordnet. Der zweite Zyklus op.179 folgt demselben Ordnungsprinzip und wurde im Dezember 1920 vollendet. Die beiden Werke sind mit etwa 50 Minuten gleich lang, so dass ein Pr\u00e4ludium im Schnitt 2 Minuten dauert.<\/p>\n<p>Die beiden Zyklen wurden in den Periodika \u201eMagnus Albums\u201c des Verlages Swan &amp; Co. ver\u00f6ffentlicht, einem Kompendium, in welchem auch andere Zeitgenossen von Stanford kleinere Werke ver\u00f6ffentlicht haben. Leider mussten diese Bl\u00e4tter nach dem ersten Weltkrieg bald wieder eingestellt werden, denn der Publikumsgeschmack hatte sich gewandelt.<\/p>\n<p>Ich beschr\u00e4nke mich bei der Beschreibung auf diejenigen Pr\u00e4ludien welche mir bemerkenswert erscheinen.<\/p>\n<p><strong>Pr\u00e4ludien op.163<\/strong><\/p>\n<p><strong>D-Dur<\/strong> ** Ein quirliges St\u00fcck mit durchgehender 16tel Bewegung.<\/p>\n<p><strong>d-Moll<\/strong> ** Im Gestus etwas der 3-stimmigen Invention f-Moll von J.S. Bach \u00e4hnlich, mit allerdings etwas weniger tragischem Tonfall.<\/p>\n<p><strong>Es-Dur<\/strong> ** Auftrumpfend mit gro\u00dfer Geste. Erinnert etwas an Schumann<\/p>\n<p><strong>es-Moll <\/strong>** Unter bewegten 16-tel Triolen in der rechten Hand stimmt die linke eine leicht melancholische Melodie an. Sehr reizvoller Gegensatz. Hier hat offenbar Mendelssohn Pate gestanden.<\/p>\n<p><strong>E-Dur<\/strong> ** Eine munter h\u00fcpfende Humoreske. Das Thema h\u00e4tte sich auch gut f\u00fcr eine Fuge geeignet (s. 3-stimmige Invention D-Dur bei Bach).<\/p>\n<p><strong>e-Moll<\/strong> ** Ein h\u00fcbscher und charmanter Walzer (Tschaikowsky?)<\/p>\n<p><strong>f-Moll<\/strong> ** Ein grimmiger Geschwindmarsch.<\/p>\n<p><strong>Ges-Dur<\/strong> ** \u00dcberschrieben \u201eIn den W\u00e4ldern\u201c benutzt als \u201especial Effect\u201c angedeutete Vogelstimmen, und hat ansonsten eine pastorale Grundstimmung.<\/p>\n<p><strong>G-Dur<\/strong> ** Ein munterer Tanz im 2\/4 Takt.<\/p>\n<p><strong>g-Moll<\/strong> ** Trauermarsch I<\/p>\n<p><strong>gis-Moll<\/strong> ** Mit h\u00fcpfendem Bass, \u00e4hnelt dem Capriccio h-Moll op.76,2 von Brahms<\/p>\n<p><strong>A-Dur<\/strong> ** Stanfords Beitrag zur Spezies \u201eLyrische St\u00fccke\u201c<\/p>\n<p><strong>a-Moll<\/strong> ** K\u00f6nnte einem Volkstanz nachempfunden sein (s. Stanfords Affinit\u00e4t zu irischer Folklore)<\/p>\n<p><strong>B-Dur<\/strong> ** \u201eCarrillion\u201c Ein wenig pomp\u00f6s, aber mit aparter Klangwirkung<\/p>\n<p><strong>b-Moll<\/strong> ** Trauermarsch II (in Memoriam M.G. = Michael Gray, dem in den letzten Kriegstagen gefallenen Sohn seines Musiker-Kollegen Alan Gray) Ein bewusster Bezug auf den 1. Weltkrieg, dessen Erlebnis sicher noch in Stanford nachwirkte, als er die Pr\u00e4ludien schrieb.<\/p>\n<p><strong>h-Moll<\/strong> ** Rauschende Arpeggien, molto appassionato, mit einer Melodie im Diskant.<\/p>\n<p><strong>Pr\u00e4ludien op.179<\/strong><\/p>\n<p><strong>C-Dur<\/strong> ** Majest\u00e4tisch mit gro\u00dfem Ton. Ankl\u00e4nge an Edward Elgar<\/p>\n<p><strong>cis-Moll<\/strong> ** Donnernde Oktaven und auch die Kl\u00e4nge oktaviert. Ein ausgesprochen grimmiger Tonfall.<\/p>\n<p><strong>D-Dur<\/strong> ** Wie auch im ersten Zyklus so auch hier mit wenigen Takten Ausnahme durchgehende 16tel Bewegung. Fast ausschlie\u00dflich Figurenwerk.<\/p>\n<p><strong>es-Moll<\/strong> ** Gesang \u00fcber wild wogendem Passagenwerk.<\/p>\n<p><strong>E-Dur<\/strong> ** Ein flotter Marsch<\/p>\n<p><strong>e-Moll<\/strong> ** Valse m\u00e9lancholique<\/p>\n<p><strong>F-Dur<\/strong> ** Weite Aufschw\u00fcnge \u00fcber einem Orgelpunkt auf F-<\/p>\n<p><strong>f-Moll<\/strong> ** Lied ohne Worte<\/p>\n<p><strong>Ges-Dur<\/strong> ** Fughetta mit kurzer Einleitung, aber sehr frei gehalten.<\/p>\n<p><strong>fis-Moll<\/strong> ** Lied ohne Worte, Stil \u201evenetianisches Gondellied\u201c<\/p>\n<p><strong>G-Dur<\/strong> ** Beinahe orchestrale F\u00fclle, sehr energisch. Ankl\u00e4nge an Edward Elgar<\/p>\n<p><strong>g-Moll<\/strong> ** \u00dcberschrieben \u201eQuasi Recitativo\u201c. Im Stile eines Recitativo accompagnato<\/p>\n<p>Die folgenden 3 Pr\u00e4ludien bilden eine \u201eMini-Suite\u201c<\/p>\n<p><strong>As-Dur<\/strong> ** Eine reizende Gavotte, die barockes Flair heraufbeschw\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>gis-Moll<\/strong> ** Musette zu der vorangegangenen Gavotte (Wiederholung der Gavotte ad libitum)<\/p>\n<p><strong>A-Dur<\/strong> ** Sarabande<\/p>\n<p><strong>a-Moll<\/strong> ** Hier hat offenbar der 4. Satz aus Chopins b-Moll Sonate Pate gestanden. Bewegte 16-tel und st\u00e4ndige Unruhe. Man k\u00f6nnte dieses Pr\u00e4ludium mit seinem 6\/8 Takt allerdings auch als abschlie\u00dfende Gigue der Suite betrachten.<\/p>\n<p><strong>B-Dur<\/strong> ** Harmonisch sehr reizvolles Pr\u00e4ludium mit sehr frischem Impetus.<\/p>\n<p><strong>b-Moll<\/strong> ** Erneut ein Trauermarsch<\/p>\n<p><strong>h-Moll<\/strong> ** \u00dcberschrieben \u201eAddio\u201c (D-Cis-H). Mit diesem Motiv aus den 3 fallenden T\u00f6nen wird das gesamte Pr\u00e4ludium sehr kunstvoll gestaltet. Die leise Melancholie klingt in vers\u00f6hnlichem in H-Dur aus.<\/p>\n<p>Es ist \u00fcbrigens keineswegs sicher dass Stanford alle 24 Pr\u00e4ludien in einem Konzert gespielt haben wollte, noch dass er sie jemals komplett in einem Konzert geh\u00f6rt hat, denn es war zu dieser Zeit eher un\u00fcblich solche langen Zyklen am St\u00fcck zu spielen. Auch beim op.28 von Chopin kam das erst sp\u00e4ter in Mode.<\/p>\n<p><strong>3 Rhapsodien nach Dante op.92 (1875):&nbsp; <\/strong><\/p>\n<p>Francesca a-Moll; Beatrice H-Dur und Capaneo C-Dur<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>Die Anregung zur Komposition dieser Rhapsodien stammte von Percy Grainger, der sie dann auch mehrfach \u00f6ffentlich auff\u00fchrte. Jede dieser Rhapsodien tr\u00e4gt als \u00dcberschrift eine Gestalt aus Dantes \u201eInferno\u201c, und die Nr. 1 und 3 zus\u00e4tzlich ein Motto.<\/p>\n<p>Namensgeberin der 1. Rhapsodie ist Francesca da Rimini, die wegen Ehebruchs von ihrem Gatten ermordet und von Dante in der H\u00f6lle getroffen wird. Nach einer kurzen Einleitung folgt ein \u201eappassionato\u201c \u00fcberschriebener Teil, bei dem die Melodie \u00fcber wild wogenden Arpeggien der linken Hand gespielt wird. Nach einem ruhigeren Mittelteil folgt dann wieder die anf\u00e4ngliche Stimmung. Wer bei diesem St\u00fcck Leidenschaften im Stil von Tschaikowsky erwartet, wird entt\u00e4uscht. Es geht hier verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig z\u00fcchtig zu, und von H\u00f6llenqualen ist auch wenig zu merken.<\/p>\n<p>Die Musik zu \u201eBeatrice\u201c steht in H-Dur (b major, wie b f\u00fcr Beatrice), und der 9\/8 Takt bezieht sich auf die Zahlensymbolik in der entsprechenden Episode (3-Einigkeit, die \u201eechte\u201c Beatrice starb mit 24 = 3*8, Beatrice geh\u00f6rt zu 3 heiligen Damen etc.). Der Gestus ist ruhig flie\u00dfend, mit gelegentlicher Imitation von Glockenkl\u00e4ngen. Bei Dante ist Beatrice die F\u00fchrerin durch das Paradies, und das Symbol f\u00fcr die vollkommene Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>In der griechischen Mythologie trotzte Capaneus dem Zeus, der ihn von der Invasion Thebens abhalten wollte. Als er dennoch versuchte die Stadt zu erobern t\u00f6tete Zeus ihn mit einem Blitzschlag. So gelangte er in die H\u00f6lle. Die er\u00f6ffnenden Akkorde haben eine gewisse \u00c4hnlichkeit mit der Rhapsodie op.119,4 Es-Dur von Johannes Brahms, und sollen offenbar die Trotzgeb\u00e4rden darstellen. Allerdings ben\u00f6tigt man zum Ausmalen der H\u00f6llenqualen etwas Fantasie. Edward Elgar bemerkte einmal: \u201eRhapsodise is one thing an English composer cannot do\u201c. Dennoch entwirft Stanford in diesen 3 recht abwechslungsreichen St\u00fccken ein reichhaltiges Tableau an Stimmungen.<\/p>\n<p><strong>Sechs Charakterst\u00fccke op.132<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong>&nbsp;<\/strong>In modo dorico<\/li>\n<li>Romanze B-Dur<\/li>\n<li>Studie<\/li>\n<li>Roundel<\/li>\n<li>Romanze As-Dur<\/li>\n<li>Toccata<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Charakterst\u00fccke wurden 1912 beendet und waren Moritz Rosenthal gewidmet, der sie jedoch niemals auff\u00fchrte (ein Schicksal das auch Komponisten wie Godowsky oder Alb\u00e9niz teilten, die Rosenthal ebenfalls St\u00fccke gewidmet hatten). F\u00fcr einen Virtuosen wie Rosenthal d\u00fcrften diese eher schlichten und pianistisch anspruchslosen St\u00fccke wohl eher uninteressant gewesen sein, und Stanford wollte ihn ja mit der Widmung auch verleiten sein 2. Klavierkonzert aufzuf\u00fchren, was jedoch nicht zu Stande kam.<\/p>\n<p>Das einleitende \u201ein modo dorico\u201c, hat Stanford nicht nur f\u00fcr Orgel bearbeitet, sondern auch im Vorspiel seiner Oper \u201eThe travelling Companion\u201c verwendet. Das 4. St\u00fcck \u201eRoundel\u201c ist dem Andenken an Robert Schumann gewidmet, da es am 8.Juni 1911 komponiert wurde. Allerdings wurde Schumann 1810 geboren, so dass Stanford mit seiner Hommage zum 100. Geburtstag 1 Jahr zu sp\u00e4t kam. Das St\u00fcck ist in seinem intim lyrischen Charakter den sp\u00e4ten Werken von Schumann nachempfunden. Die beiden Romanzen sind typische Vertreter des Typs \u201eLied ohne Worte\u201c, den Stanford h\u00e4ufig verwendet hat. Die abschlie\u00dfende Toccata ist ein lebendiges St\u00fcck in fast durchg\u00e4ngigen Vierteln im sempre staccato, die nur zum Schluss durch ein paar akzentuierte Akkorde gebremst werden.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnf Capricen op.136<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der entt\u00e4uschenden Erfahrung mit Moritz Rosenthal komponierte Stanford bereits 2 Jahre sp\u00e4ter seine 5 Capricen op.136. Der Titel ist eigentlich irref\u00fchrend, denn es handelt sich auch hier eher um Charakterst\u00fccke, denn das einzige St\u00fcck welches den Titel Capriccio zu Recht tr\u00e4gt ist die Nr.3, welches wiederum (s.o.) an das Capriccio h-Moll op.76,2 von Brahms erinnert. Bei den \u00fcbrigen St\u00fccken handelt es sich allerdings um pianistisch durchaus ambitionierte St\u00fccke, die jedoch einerseits in Toto f\u00fcr Amateure zu schwer sein d\u00fcrften, andererseits aber f\u00fcr den Virtuosen wahrscheinlich zu wenig wirkungsvoll sind. Musikalisch gesehen entfaltet Stanford in diesen f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse eher langen St\u00fccken eine reiche Palette an Stimmungen, so dass man sie durchaus zu seinen besten Klavierwerken z\u00e4hlen darf.<\/p>\n<p><strong>Diskografische Hinweise<\/strong><\/p>\n<p>Die einzige bisher erschienene Gesamtaufnahme von Stanfords Klavierwerken, einschlie\u00dflich noch bisher unver\u00f6ffentlichter und teilweise erg\u00e4nzter Werke, wurde durch Christopher Howell vorgelegt. Aber die Qualit\u00e4t ist sehr uneinheitlich, und l\u00e4sst einiges zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, denn das Spiel klingt nicht selten h\u00f6lzern und uninspiriert. Au\u00dferdem ist die Klangqualit\u00e4t eher bescheiden. Um sich einen umfassenden \u00dcberblick zu verschaffen sind die 3 mal 2 CDs allerdings nicht verzichtbar. Die Begleithefte enthalten eine Menge wissenswertes \u00fcber Stanford und seine Klaviermusik.<\/p>\n<p>Sheva Sh115; 125 und 160<\/p>\n<p>J\u00fcngst ist bei Hyperion eine Auswahl der Pr\u00e4ludien aus op.163 und 179 erschienen (Sam Haywood, Hyperion CDA68183). Die Einspielung ist um einiges ansprechender als die von Howell. Es wurden immerhin 38 der 48 Pr\u00e4ludien eingespielt, so dass man fast alle h\u00f6ren kann.<\/p>\n<p>Peter Jacobs hat in 2 Folgen die Pr\u00e4ludien sowie die Rhapsodien op.92 und die Charakterst\u00fccke op.132 eingespielt. Auch diese Einspielungen sind recht gut gelungen. Sie sind aber nur noch gebraucht zu bekommen (z.B. bei amazon.co.uk).<\/p>\n<p>Von den beiden Klavierkonzerten sind diese Aufnahmen zu empfehlen:<\/p>\n<p><strong>Konzert Nr.1<\/strong>:&nbsp; Piers Lane, Martyn Brabbins, BBC Scottish Symphony Orchestra<\/p>\n<p>\u201cThe Romantic Piano Concerto Vol.12, Hyperion CDA66820<\/p>\n<p><strong>Konzert Nr. 2<\/strong>:&nbsp; Margaret Fingerthut, Vernon Handley, Ulster Orchestra<\/p>\n<p>Chandos CHAN X10116 (+weitere Werke f\u00fcr Orchester und Violinkonzert)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Peter Westendorf Charles Villiers Stanford wurde als Sohn eines wohlhabenden irischen Anwalts am 30. September 1852 in Dublin geboren. Seine Familie war ausgesprochen musikalisch: Der Vater bet\u00e4tigte sich als S\u00e4nger, die Mutter als Pianistin. In diesem Umfeld wurde Stanfords au\u00dfergew\u00f6hnliches Talent schnell erkannt und gef\u00f6rdert. 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