{"id":272,"date":"2018-02-07T22:44:34","date_gmt":"2018-02-07T22:44:34","guid":{"rendered":"http:\/\/christiankoehn.de\/?p=272"},"modified":"2018-12-22T09:59:09","modified_gmt":"2018-12-22T07:59:09","slug":"hubert-hastings-parry-1848-1918","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankoehn.de\/?p=272","title":{"rendered":"Hubert Hastings Parry (1848 \u2013 1918)"},"content":{"rendered":"<h4>von Peter Westendorf<\/h4>\n<h4><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-282\" src=\"https:\/\/christiankoehn.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/parry.jpg\" alt=\"\" width=\"181\" height=\"248\" \/><\/h4>\n<p>Hubert Parry war eine der Schl\u00fcsselfiguren im britischen Musikleben des sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts, und zwar sowohl als Komponist, Lehrer wie auch als Schriftsteller. <!--more--><\/p>\n<p>Er stammte aus einer wohlhabenden Familie des englischen Landadels, und wurde auf Schloss Highnam in der N\u00e4he von Gloucester geboren. Er studierte in Eton und Oxford, und musste zun\u00e4chst auf sanften Druck seines Vaters und seiner Schwiegereltern (er hatte sich 1872 mit Elisabeth Maude Herbert, der Tochter eines Politikers verheiratet), sowie zur Absicherung seines Lebensunterhaltes in London im Versicherungsgewerbe verdingen, bevor erste Erfolge als Musiker es ihm erlaubten sich ausschlie\u00dflich mit Musik zu befassen. Aber er hatte auch schon w\u00e4hrend seiner Zeit bei Lloyd\u2019s Stunden bei Edward Dannreuther genommen, der ihn in die Musik Wagners einf\u00fchrte. In dessen Haus wurden auch die meisten fr\u00fchen Kammermusikwerke von Parry aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Charles Groves, der Gr\u00fcnder des ber\u00fchmten Musiklexikons, welches 1879 an den Start ging, lud Hubert Parry ein f\u00fcr das umfangreiche Werk Artikel zu verfassen. Diese Arbeit scheint ihm so sehr gefallen zu haben, dass er sp\u00e4ter mehrere B\u00fccher \u00fcber Musikgeschichte und Musik\u00e4sthetik verfasste. F\u00fcr einen durchschlagenden Erfolg sorgte zum einen die Auff\u00fchrung seines Klavierkonzertes durch Edward Dannreuther, und die der Kantate \u201eDer entfesselte Prometheus\u201c im Jahre 1880.<\/p>\n<p>Hubert Parry geh\u00f6rte 1883 zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern des Royal College of Music und war dessen Direktor von 1895 bis zu seinem Tode im Jahre 1918. Von 1900-1908 hatte er gleichzeitig eine Musikprofessur in Oxford inne. So kamen Generationen von Musikern unter den Einfluss seiner warmherzigen und gener\u00f6sen Pers\u00f6nlichkeit. Er war \u00fcberzeugt, und vermittelte dies auch an seine Studenten, dass der K\u00fcnstler auch eine moralische Verantwortung gegen\u00fcber der Gesellschaft tr\u00e4gt. Das brachte Edward Elgar zu dem Ausspruch \u201eParry ist das Haupt unserer Zunft in diesem Lande\u201c. 1898 wurde er zum Ritter geschlagen.<\/p>\n<p>Parry\u2019s Musikstil war stark beeinflusst von der Tradition deutscher Musik von Buxtehude bis Brahms. Aber auch Wagner, obwohl in Gro\u00dfbritannien nicht besonders popul\u00e4r, geh\u00f6rte zu seinen Inspiratoren. Ein betr\u00e4chtlicher Teil seines Schaffens widmet sich der Chormusik. Sein \u201eJerusalem\u201c z.B. ist eine Art Hymne, die bei jedem \u201eLast Night oft the Proms\u201c Konzert vom gesamten Publikum mitgesungen wird. Er schrieb ebenso 5 Sinfonien, weitere Orchester-werke, Kammermusik, Orgelwerke und Lieder. Darunter 12 Lieferungen englische Lieder, die einen betr\u00e4chtlichen Beitrag zum englischen Liedrepertoire beisteuern.<\/p>\n<p>Nach seinem Tode war Parry auf Grund von Missdeutungen f\u00fcr lange Zeit in Vergessenheit geraten. Man betrachtete seine Musik als zu konventionell, und ihn als einen viktorianischen Gentleman, obgleich er eher ein f\u00fcr Seine Zeit sanfter Rebell war: er war politisch liberal und Agnostiker. Sein Geistesverwandter und Mitstreiter war Charles Villiers Stanford, mit dem er vieles gemein hat. Aber die neuen Helden auf dem Felde der Musik waren jetzt Elgar und Vaughan Williams.<\/p>\n<p>Durch die Biografie von Jeremy Dibble (nur in englischer Sprache verf\u00fcgbar) und durch eine Reihe von Tonaufzeichnungen, hat sich das Interesse f\u00fcr Parry wieder etwas verst\u00e4rkt, aber er ist immer noch str\u00e4flich unterrepr\u00e4sentiert. Der Umfang seiner Klavierwerke ist vergleichsweise bescheiden, aber es gibt eine Reihe recht h\u00f6renswerter St\u00fccke darunter. Leider sieht es bei den CD\u2019s wirklich mager aus. Es gibt nur die eine Scheibe mit Peter Jacobs, und die ist auch noch schwer zu erhalten. Ich w\u00fcrde mir eine Aufnahme seiner beiden Klaviersonaten w\u00fcnschen, ebenso wie die seiner Werke f\u00fcr Klavier zu 4 H\u00e4nden und 2 Klaviere.<\/p>\n<h2>Einzeldarstellungen<\/h2>\n<h3><strong>Hands across the century (1918)<\/strong><\/h3>\n<ul>\n<li>Prelude<\/li>\n<li>The Passionate Allemande<\/li>\n<li>The Wistful Courante<\/li>\n<li>Quasi Sarabande<\/li>\n<li>Gavotte and Musette<\/li>\n<li>Quasi Menuetto<\/li>\n<li>The Whirling Jig<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Aufbau dieser 7 St\u00fccke entspricht dem einer Suite im Barock. Die Musik hingegen klingt alles andere als Barock, sie ist ganz in sp\u00e4tromantischer Tradition geschrieben. Am Schluss des Prelude meint man sogar die Einleitung von Rachmaninovs 2. Klavierkonzert kurz zu h\u00f6ren, welches jedoch schon 18 Jahre fr\u00fcher geschrieben wurde. Einzig die Gavotte kommt noch im Gewand einer l\u00e4ngst vergangenen Epoche daher. Eine quirlige Gigue 12\/16 Takt beschlie\u00dft den Zyklus. Ansonsten folgt er dem Entwurf von \u201eAus Holbergs Zeit\u201c von Edward Grieg, der ebenfalls nur eine Anmutung historischer T\u00e4nze, aber in zeitgem\u00e4\u00dfem Gewand ist, eben \u201emit den H\u00e4nden durch die Jahrhunderte\u201c, wie eine freie \u00dcbersetzung des Titels von Parrys Zyklus lauten k\u00f6nnte.<\/p>\n<h3><strong>Shulbrede Tunes (1914)<\/strong><\/h3>\n<ul>\n<li>Shulbrede<\/li>\n<li>Elizabeth<\/li>\n<li>Dolly (No.1)<\/li>\n<li>Bogies And Sprites That Gambol By Nights<\/li>\n<li>Matthew<\/li>\n<li>Prior&#8217;s Chamber By Firelight<\/li>\n<li>Children&#8217;s Pranks<\/li>\n<li>Dolly (No.2)<\/li>\n<li>In The Garden With The Dew On The Grass<\/li>\n<li>Father&#8217;s Playmate<\/li>\n<\/ul>\n<p>Shulbrede liegt in West Sussex im S\u00fcden Englands nahe Brighton, und ist ein ehemaliges Kloster, welches nach der S\u00e4kularisierung Anfang des 20. Jahrhunderts der Wohnsitz der Familie von Lord Ponsoby wurde, welcher der Schwiegersohn von Hubert Parry war. Parry entwirft hier einerseits Stimmungsbilder aus dem Umfeld des Landsitzes, als auch Portraits der Familienmitglieder einschlie\u00dflich seiner Tochter Dorothea (genannt Dolly), der er gleich 2 St\u00fccke in seinem Zyklus widmete. Man hat den Eindruck gel\u00f6ster Entspannung und kann sich sehr gut eine sanfte Landschaft und eine distinguierte Gesellschaft vorstellen. Bei \u201ePrior&#8217;s Chamber By Firelight\u201c h\u00f6rt man f\u00f6rmlich das Knistern des Kaminfeuers. Im letzten St\u00fcck erklingt eine englische Volksweise in mehreren Variationen, und das St\u00fcck geht f\u00fcr Parry ungew\u00f6hnlich virtuos zu Ende.<\/p>\n<h3><strong>Thema und 19 Variationen d-Moll (vollendet 1885)<\/strong><\/h3>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong>Die Variationen sind nicht klar voneinander getrennt, sondern wie bei einer Chaconne gehen sie in einander \u00fcber. Der Gestus ist ziemlich klar an Brahms ausgerichtet, mit seiner Vollgriffigkeit und einzelnen charakteristischen Motivgruppen. Aber der Aufbau ist sehr spannungsreich gestaltet, und die Reihe endet in einem hymnischen Ausklang.<\/p>\n<h3>Weitere Klavierwerke:<\/h3>\n<p>Kleines Klavierst\u00fcck (1862), Klavierst\u00fcck g-Moll (1865), Fuge e-Moll\u00a0 (1865), Ouvert\u00fcre h-Moll f\u00fcr Klavier zu 4 H\u00e4nden (1865), Sonate f-Moll f\u00fcr Klavier zu 4 H\u00e4nden op. 20 (1865), Andante C-Dur (1867), Sonette und Lieder ohne Worte in 3 Heften ((1869, 1875, 1877), 7 Charakterbilder (1872), 2 Kurze Klavierst\u00fccke C-Dur und F-Dur (1873), Variationen \u00fcber eine Air von Bach (1873-75), Gro\u00dfes Duo e-Moll f\u00fcr 2 Klaviere, 2 Sonaten F-Dur op.71 (1877) und A-Dur op. 79 (1878), \u201eCharacteristic Popular Tunes of the British Isles\u201c f\u00fcr Klavier zu 4 H\u00e4nden in 2 Heften (1887), 5 Miniaturen (ediert 1926).<\/p>\n<p>Ferner Konzert f\u00fcr Klavier und Orchester Fis-Dur (1878\/79).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Peter Westendorf Hubert Parry war eine der Schl\u00fcsselfiguren im britischen Musikleben des sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. 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