{"id":254,"date":"2018-01-19T16:11:02","date_gmt":"2018-01-19T16:11:02","guid":{"rendered":"http:\/\/christiankoehn.de\/?p=254"},"modified":"2018-12-22T09:59:43","modified_gmt":"2018-12-22T07:59:43","slug":"william-sterndale-bennett-1816-1875","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankoehn.de\/?p=254","title":{"rendered":"William Sterndale Bennett (1816 \u2013 1875)"},"content":{"rendered":"<h4>von Peter Westendorf<\/h4>\n<h4><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-285\" src=\"https:\/\/christiankoehn.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bennett.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"228\" \/><\/h4>\n<p>William Sterndale Bennett (1816-1875), geboren in Sheffield, verbringt seine Jugendzeit in Cambridge und studiert ab 1826 Klavier, Violine und Komposition bei William Crotch und Cipriani Potter an der Royal Academy<!--more--> of Music in London, deb\u00fctiert 1832 mit seinem Klavierkonzert d-Moll op. 1 in Cambridge, ist 1834\/35 als Organist an St. Anna in Wandsworth\u00a0 angestellt und reist mehrfach nach Deutschland, wo er mit Mendelssohn, Spohr und Schumann freundschaftlich verkehrt. Letzterer widmet ihm seine Sinfonischen Variationen op. 13.<\/p>\n<p>Er konzertiert als Pianist, und wird 1856 zum Professor f\u00fcr Musik an der Universit\u00e4t Cambridge ernannt. Dieses Amt beh\u00e4lt er bis 1866 inne, wo er als Direktor an die Royal Academy of Music wechselt. Vier Jahre vor seinem Tode wird er geadelt.<\/p>\n<p>Die Klaviermusik von Bennett umfasst eine Reihe der zeittypischen Genrest\u00fccke (Impromptus, Romanzen, Charakterst\u00fccke) aber auch ambitioniertere Werke wie die 5 Klavierkonzerte oder die beiden Sonaten. Die Klavierkonzerte sind ausgesprochen charmant und gut gearbeitet, und stehen denen seiner Zeitgenossen wie Moscheles, Mendelssohn oder Herz nahe. Es gibt nur wenige Tonaufzeichnungen dieser Konzerte, aber die Aufnahmen mit Malcolm Binns auf Lyrita sind sehr gelungen. Im M\u00e4rz 2018 erscheint bei Hyperion eine Aufnahme mit Howard Shelley und dem BBC Scottish Orchestra als Solist und Dirigent der Konzerte 1-3. Das Konzert Nr.4 wurde in dieser Besetzung bereits fr\u00fcher ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Einspielungen seiner Klavierwerke sind eher sp\u00e4rlich. Zu erw\u00e4hnen sind die beiden CDs welche Ilona Prunyi bei marco polo ver\u00f6ffentlicht hat.<\/p>\n<p>Eine ausf\u00fchrliche Biografie verfasst von seinem Sohn J.R. Sterndale Bennett aus dem Jahre 1907 ist hier nachzulesen <a href=\"https:\/\/archive.org\/stream\/lifeofwilliamste00bennuoft#page\/n14\/mode\/1up\">https:\/\/archive.org\/stream\/lifeofwilliamste00bennuoft#page\/n14\/mode\/1up<\/a><\/p>\n<h2>Einzeldarstellungen<\/h2>\n<h3><strong>Sonate Nr. 1 f-Moll op. 13 (1837)<\/strong><\/h3>\n<ul>\n<li>Moderato espressivo<\/li>\n<li>Scherzo: Allegro agitato<\/li>\n<li>Serenata: Moderato grazioso<\/li>\n<li>Finale: Presto agitato<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Sonate ist mit einer Spielzeit von fast 35 Minuten sehr ausladend. Die Gef\u00fchlswelt entspricht dem der Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn, und bem\u00fcht sich um einen sangbaren und lyrischen Stil. Sie ist trotz derselben Tonart weit entfernt von der Dramatik der Sonate op.57 (Appassionata) von Ludwig van Beethoven. Sie bietet auch keine gro\u00dfen technischen Schwierigkeiten, und ist wohl auch f\u00fcr ge\u00fcbte Laien spielbar. Womit Bennett einem starken Bed\u00fcrfnis seiner Zeit nach spielbarer Hausmusik Rechnung getragen haben d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Im ersten Satz herrscht eine romantische Grundstimmung, die sich nicht lange beim eher d\u00fcsteren f-Moll aufh\u00e4lt. Der Aufbau ist schulm\u00e4\u00dfig gestaltet, und in der Durchf\u00fchrung kommt etwas Dramatik auf, die aber zum Schlu\u00df wieder lyrisch gewendet wird, und den Satz in F-Dur enden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das Scherzo nimmt den Tonfall des ersten Satzes wieder auf und enth\u00e4lt auch wenig dramatisches. Einen Kontrast zum ersten Satz gibt es so gut wie nicht. Im langsamen Satz k\u00f6nnte man ohne weiteres eine Singstimme erg\u00e4nzen, denn auch die Begleitung entspricht der eines Liedes. Das Finale \u00e4hnelt sehr dem Lied ohne Worte op.85 Nr. 6 von Felix Mendelssohn (welches jedoch ein paar Jahre sp\u00e4ter komponiert wurde) mit seinen bewegten 3er Gruppen von Achtelnoten. Auch hier wird der Grundcharakter der Sonate nicht verlassen, was leider dem gesamten Werk eine gewisse Eint\u00f6nigkeit verleiht.<\/p>\n<h3><strong>Sonate Nr. 2 \u201eDie Jungfrau von Orleans\u201c <\/strong><\/h3>\n<p>Eine Sonate in 4 Bildern \u00fcber das Leben der Johanna von Orleans.\u00a0 Jedem Satz ist eine Zeile aus dem Drama von Schiller vorangestellt.<\/p>\n<ul>\n<li>Auf den Feldern<\/li>\n<li>Auf dem Schlachtfeld<\/li>\n<li>Im Kerker<\/li>\n<li>Das Ende<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der erste Satz der Sonate ist eine schlichte Pastorale und dr\u00fcckt eine ruhige und friedliche Stimmung aus. Bewegter wird es da schon im 2. Satz, der das Kampfget\u00fcmmel beschreiben soll. Er beginnt mit einem Marsch und wird dann zunehmend belebter, bis zu einigen wild bewegten Passagen, um dann den vorherigen Marschrhythmus wieder aufzunehmen. In ihrer Dramatik wirkt die Musik etwas zahm, so dass es mehr der Stimmung eines Bildes von William Turner entspricht. Aber kontrollierte Emotionen sind typisch f\u00fcr den Stil von Bennett. Revolution\u00e4re Affekte sind seine Sache nicht.<\/p>\n<p>So ist auch der 3. Satz (im Kerker) keine Klage \u00fcber die Entbehrungen und den Verlust der Freiheit, sondern mehr ein Gebet zu Gott, der Johannas Seele zu sich holen m\u00f6ge.\u00a0 Der Schlu\u00dfsatz\u00a0 mit dem Motto \u201eKurz ist der Schmerz und ewig ist die Freude\u201c gibt genau diesem Verkl\u00e4rungsgedanken Ausdruck, der das Schauspiel beschlie\u00dft. Ein freudiger Gesang auf die \u00dcberwindung des B\u00f6sen und die Einkehr ins Himmelreich. Musikalisch in sehr bewegten T\u00f6nen dargestellt.<\/p>\n<h2><strong>Suite de pi\u00e8ces op. 24 (1842)<\/strong><\/h2>\n<ul>\n<li>Presto leggiero<\/li>\n<li>Capricciosa: Andante \u2013 Allegretto leggiero<\/li>\n<li>Agitato assai<\/li>\n<li>Alla fantasia: Moderato quasi Andante<\/li>\n<li>Presto agitato<\/li>\n<li>Lento \u2013 Bravura<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Vortragsbezeichnungen deuten schon darauf hin, dass es sich bei dieser Suite einzelner Charakterst\u00fccke um eine flotte Angelegenheit handelt. Auch wenn wieder die N\u00e4he zu Mendelssohn deutlich sp\u00fcrbar ist, so lugt auch gelegentlich Schumann um die Ecke, aber eher mit seinen fr\u00fchen Klavierwerken. Die St\u00fccke verspr\u00fchen einen besonderen Charme, sind gut gearbeitet, haben einen melodisch und harmonisch interessanten Ausdruck, und sind vor allem quicklebendig. Die vorherrschende Stimmung dieser St\u00fccke ist der \u201eStyle brilliant\u201c, welcher zu der Zeit noch immer in Mode war. Besonders sch\u00f6n gelungen ist das letzte St\u00fcck, welches in Sonatenform gearbeitet ist. Die kurze Einleitung nimmt gewisserma\u00dfen Anlauf um sich in das Thema mit Bravour hineinzuwerfen.<\/p>\n<h2>Weitere Werke<\/h2>\n<p>Capriccio d-moll op. 2 (1836), 3 Musikalische Skizzen op. 10: 1. Der See E-dur, 2. Der M\u00fchlbach e-moll, 3. Der Springbrunnen H-dur (1836), Romanze h-moll (1836), 6 Et\u00fcden (c-moll, E-dur, B-dur, f-moll, D-dur und g-moll) op. 11(1834\/35), 3 Impromptus h-moll, E-dur und fis-moli op. 12 (1836), 3 Romanzen b-moll, Es-dur und g-moll op. 14 (1837), Fantasie A-dur, viers\u00e4tzig op. 16 (1837),3 Diversions zu 4 H\u00e4nden A-dur, E-dur und a-moIl op. 17 (1838), Allegro grazioso A-dur op. 18 (1838), Fandango (1840), Rondo piacevole F-dur op. 25 (1842), 2 Et\u00fcden op. 26: 1. L&#8217;amabile Es-dur, 2. L&#8217;appassionata g-moll (1848), Scherzo e-mol] op. 27 (1845), 3 Klavierst\u00fccke op. 28: 1. Introduzione e pastorale A-dur, 2. Rondino E-dur, 3. Capriccio a-moll (1846-49), Thema und Variationen E-dur op. 31 (1850), 30 Preludes and Lessons in allen Tonarten op. 33 (1853), Rondo \u00bbPas triste, pas gai\u00bb g-moll op. 34 (1854), Rondeau \u00e1 la polonaise c-moll op. 37(1855), Toccata c-moll op. 38 (1854), Sonatine C-dur (1871) und zahlreiche Miniaturen<\/p>\n<h3>Werke f\u00fcr Klavier and Orchester<\/h3>\n<p>4 Konzerte: Nr. 1 d-moll op. 1 (1832), Nr. 2 Es-dur op. 4 (1833), Nr. 3 c-moll op.9 (1834) und Nr. 4 f-moll op. 19 (1838), Caprice E-dur op. 22 (1838, auch f\u00fcr Klavier solo) und Konzertst\u00fcck A-dur, dreis\u00e4tzig (1841-43)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Peter Westendorf William Sterndale Bennett (1816-1875), geboren in Sheffield, verbringt seine Jugendzeit in Cambridge und studiert ab 1826 Klavier, Violine und Komposition bei William Crotch und Cipriani Potter an der Royal Academy<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[15,13],"tags":[4,16,17],"class_list":["post-254","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-klaviermusik-in-grossbritannien","category-gastebeitraege","tag-klavier","tag-klaviermusik-aus-grossbritannien","tag-william-sterndale-bennett"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/254","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=254"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/254\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":456,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/254\/revisions\/456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}