{"id":189,"date":"2017-05-17T19:47:45","date_gmt":"2017-05-17T19:47:45","guid":{"rendered":"http:\/\/christiankoehn.de\/?p=189"},"modified":"2018-12-22T10:01:07","modified_gmt":"2018-12-22T08:01:07","slug":"ludwig-van-beethoven-klaviersonate-a-dur-op-101","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankoehn.de\/?p=189","title":{"rendered":"Ludwig van Beethoven, Klaviersonate A-Dur op. 101"},"content":{"rendered":"<h4>Gastbeitrag von Peter Westendorf<\/h4>\n<p>Beethoven komponierte diese Sonate 1816 und sie steht am Anfang der Gruppe von 5 Sonaten die man allgemein zu seinem Sp\u00e4twerk rechnen darf. <!--more-->Die Widmungstr\u00e4gerin Dorothea Ertmann meinte der Beethoven Biograf George Marek als dessen unsterbliche Geliebte ausfindig gemacht zu haben (G. Marek \u201eL. van Beethoven, das Leben eines Genies\u201c; S. 286-300). Ebenfalls 1816 entstand auch Beethovens Liederzyklus \u201ean die ferne Geliebte\u201c. Zufall oder gleicher Impuls? Es bleibt ein wenig spekulativ, aber die Ausf\u00fchrungen von Marek erscheinen durchaus schl\u00fcssig. Die Widmung ist aber kein unmittelbarer Reflex auf Beethovens Briefe an die \u201eunsterbliche Geliebte\u201c, denn die wurden bereits 1812 geschrieben.<\/p>\n<p>Die Sonate hat 4 S\u00e4tze, wie bei den sp\u00e4ten Sonaten nur noch die folgende in B-Dur op. 106:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Etwas lebhaft und mit der innigsten Empfindung &#8211; Allegretto, ma non troppo<br \/>\nLebhaft. Marschm\u00e4\u00dfig &#8211; Vivace alla Marcia<br \/>\nLangsam und sehnsuchtsvoll &#8211; Adagio, ma non troppo, con affetto<br \/>\nGeschwinde, doch nicht zu sehr, und mit Entschlossenheit \u2013 Allegro<\/p>\n<p>Die Vortragsbezeichnungen in Deutsch hatte er bereits in der vorangegangenen Sonate e-Moll op. 90 verwendet, und wird sie danach nur noch einmal f\u00fcr den Variationssatz der Sonate E-Dur op. 109 gebrauchen. Sie sind auch f\u00fcr den Interpreten weit aussagekr\u00e4ftiger. Schumann wird diese Vorgehensweise dann ziemlich konsequent weiterf\u00fchren.<\/p>\n<p>Der erste Satz beginnt gewisserma\u00dfen mittendrin. Richard Wagner bezeichnete ihn als typisches Beispiel f\u00fcr eine \u201eunendliche Melodie\u201c. Die Ausgangstonart A-Dur wird gleichsam verschleiert, und der Satz hat eigentlich viel mehr von E-Dur. Auch gibt es nur ein Thema welches in Motivzellen zerlegt und durchgef\u00fchrt wird. Auff\u00e4llig sind auch die unruhigen Synkopen zu Beginn der Durchf\u00fchrung und vor der Schlu\u00dfgruppe.<br \/>\nDer ganze Satz hat etwas aphoristisches, denn das musikalische Material ist ausgesprochen kompakt und dicht gef\u00fcgt. Er dauert denn auch ca. 5 Minuten, je nachdem ob der Interpret das \u201eetwas lebhaft\u201c oder \u201emit der innigsten Empfindung\u201c st\u00e4rker betont.<\/p>\n<p>Der zweite Satz ist \u201ealla marcia\u201c \u00fcberschrieben, und soll daher nicht wie ein Marsch, sondern nur marschm\u00e4ssig erklingen. Er ist in F-Dur notiert, was in einer Sonate die urspr\u00fcnglich in A-Dur steht zun\u00e4chst ungew\u00f6hnlich erscheint, aber \u00fcber die parallele Molltonart d-Moll und deren \u00e4olischer Auspr\u00e4gung stellt sich ein Bezug zu A-Dur her. Das Tempo ist straff und \u201ezackig\u201c, sollte aber nicht zu schnell genommen werden, da der Satz kontrapunktisch sehr kunstvoll gearbeitet ist. Der ruhigere Mittelteil ist denn auch konsequenterweise kanonisch ausgef\u00fchrt. Der Gestus des Satzes beruht auf einem unruhigen punktierten Rhythmus. In seiner L\u00e4nge \u00fcbertrifft er den Kopfsatz um einiges, und ist auch im Vergleich zu anderen Scherzi aus Beethovens Sonaten ungew\u00f6hnlich lang.<\/p>\n<p>Der Dritte Satz ist ein getragenes Adagio, das sehr kurz gehalten und fast rezitativisch ist. Fast k\u00f6nnte man es als Einleitung zum Finale \u00e4hnlich der \u201eWaldsteinsonate\u201c oder der unmittelbar nachfolgenden \u201eHammerklaviersonate\u201c sehen. Der Ausdrucksgehalt ist indes au\u00dfergew\u00f6hnlich breit und ergreifend. Aber als vollwertiger langsamer Sonatensatz ist er eigentlich zu kurz geraten, weswegen man bei der Sonate durchaus von drei vollwertigen S\u00e4tzen sprechen darf, sofern man das Adagio als einleitendes Intermezzo zum Finale betrachtet.<br \/>\nNach einer kurzen Kadenz wird das Thema des ersten Satzes wiederholt und es folgt eine rasche \u00dcberleitung zum Finale. Dieses ist in Sonatenform gearbeitet, mit einem Thema das von einer fallenden Quint und Terz dominiert wird. Die Durchf\u00fchrung ist eine schulm\u00e4\u00dfige dreistimmige Fuge, die nach einer Klimax und in die H\u00f6he rauschenden Arpeggien zum Ausgangsthema zur\u00fcckf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Hier sollte man Beethovens Anweisung \u201egeschwinde, doch nicht zu sehr\u201c beachten, denn sonst wirkt der Satz zu verhuscht, und das \u201eGer\u00fcst\u201c und die davon ausgehende Innenspannung l\u00e4sst sich nicht erleben. Auch dieser Satz lebt von einer ausgesprochen kunstvollen thematisch- kontrapunktischen Verarbeitung. Der Hang zu Fugen in Beethovens sp\u00e4ten Sonaten zeigt sich hier geradezu exemplarisch, und wir finden sie in allen nachfolgenden Sonaten mit mehr oder minder gro\u00dfer Auspr\u00e4gung.<br \/>\nDie Sonate demonstriert sehr eindr\u00fccklich Beethovens Kunst der Verdichtung von musikalischem Material. Alles wirkt konzentriert und mit gro\u00dfer Stringenz durchgearbeitet. Gegen\u00fcber der eher ausschweifenden Faktur der Sonate op.106 (Hammerklaviersonate), die allerdings deutlich andere Intentionen verfolgt, wirkt die Sonate A-Dur ebenso wie die drei letzten Sonaten (op.109-111) fast bescheiden. Aber wir sehen hier, dass Beethoven neben seinen gro\u00df angelegten Werken der Sp\u00e4tzeit, auch gerade in der kleineren Form epochales zu sagen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastbeitrag von Peter Westendorf Beethoven komponierte diese Sonate 1816 und sie steht am Anfang der Gruppe von 5 Sonaten die man allgemein zu seinem Sp\u00e4twerk rechnen darf.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-189","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gastebeitraege"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=189"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":460,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/189\/revisions\/460"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=189"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=189"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}