{"id":148,"date":"2017-05-05T10:17:29","date_gmt":"2017-05-05T10:17:29","guid":{"rendered":"http:\/\/christiankoehn.de\/?p=148"},"modified":"2018-12-22T10:01:38","modified_gmt":"2018-12-22T08:01:38","slug":"johannes-brahms-variationen-fuer-klavier-d-dur-op-211","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christiankoehn.de\/?p=148","title":{"rendered":"Johannes Brahms, Variationen f\u00fcr Klavier D-Dur op. 21,1"},"content":{"rendered":"<h4>Gastbeitrag von Peter Westendorf<\/h4>\n<p>Dieser Variationszyklus steht im Schatten der gr\u00f6\u00dfer angelegten Variationen op. 24 \u00fcber ein Thema von H\u00e4ndel. Dies jedoch v\u00f6llig unverdient, denn das Werk enth\u00e4lt herrliche Musik, welche den \u00dcbergangsstil von Brahms Fr\u00fchwerk hin zur mittleren Schaffensperiode sehr deutlich manifestiert.<\/p>\n<p><!--more-->Das Werk hat alle Merkmale, die Brahms Musik zu der Zeit ausmachen: voller Klang mit h\u00e4ufiger Verwendung von Quart-Sextakkorden und Oktavverdoppelung. Daneben zarte Linienf\u00fchrung und sangbare Themen. Der Gestus vieler fr\u00fcher Klavierwerke von Brahms, so auch dieser Variationen, ist eher orchestral, was an den weit ausladenden Akkorden und h\u00e4ufigen Oktaven deutlich wird. Gegen\u00fcber den fr\u00fchen Sonaten hat aber hier bereits ein Wandel stattgefunden, denn sein Klavierstil hat einiges von seiner Sperrigkeit eingeb\u00fc\u00dft, und ist stellenweise eleganter (um nicht zu sagen verbindlicher) geworden.<\/p>\n<p>Das Werk ist zusammen mit den Variationen op. 21,2 \u00fcber ein ungarisches Thema 1856\/57 entstanden, und Brahms hat es seinem Freund Joseph Joachim zur Begutachtung geschickt, der dann ausf\u00fchrlich darauf eingegangen ist. Er fand jedoch lediglich die Variationen 1-5 bemerkenswert, und die anderen \u201eminder lieb\u201c. Das galt auch f\u00fcr die Coda. Dem Rat seines Freundes folgend lie\u00df Brahms das Werk jedoch eine Weile liegen und bot es dann verschiedenen Verlegern an, von denen Simrock in Berlin es 1862 in 2 Heften herausbrachte.<\/p>\n<p>Die beiden Variationen stehen in einer Reihe bemerkenswerter Variationswerke, die in einer k\u00fcrzeren Zeitspanne entstanden sind. Es handelt sich dabei au\u00dferdem noch um die Variationen op. 23 f\u00fcr Klavier zu 4 H\u00e4nden \u00fcber ein Thema von Schumann (das sog. Geisterthema, welches Schumann kurz vor seinem Tod in der Heilanstalt Endenich komponiert hat), und die Variationen op.2 4. Wenn man gro\u00dfz\u00fcgig ist k\u00f6nnte man noch die Variationen aus dem Sextett op. 18 dazu z\u00e4hlen, die Brahms f\u00fcr Klavier zu 4 H\u00e4nden und Theodor Kirchner f\u00fcr Klavier zu 2 H\u00e4nden bearbeitet hat.<\/p>\n<p>Das Thema ist ein breit angelegter Gesang, der in sch\u00f6nstem D-Dur mit vollen Akkorden ausgef\u00fchrt wird. Dieses Thema ist sehr einpr\u00e4gsam, und erinnert in seiner Grundstimmung etwas an das 2. Thema aus dem Klavierkonzert d-Moll op. 15, das in der Reprise in derselben Tonart steht. Die Tempobezeichnung lautet \u201ePoco larghetto\u201c, was zu einem durchaus getragenen Vortrag verleiten sollte. In etlichen Tonaufnahmen wird hier jedoch vielleicht etwas zu schnell gespielt.<\/p>\n<p>In den folgenden Variationen wird das Tempo leicht beschleunigt, um dann in Variation 5 wieder zum Tempo des Themas zur\u00fcckzukehren. Brahms bedient sich hier einer weitgehend freien Gestaltung, wobei der harmonische Ablauf, \u00e4hnlich wie bei einer Chaconne, erhalten bleibt. Die thematischen Bez\u00fcge werden aus dem Variationsthema abgeleitet, und sehr frei gehandhabt, eine Technik die auch in den anderen genannten Variationen zu beobachten ist. In Variation 6 nimmt das Geschehen dann deutlich Fahrt auf. Die Bewegung entsteht durch die gegeneinander gef\u00fchrten Triolen, die \u00fcber mehrere Oktaven gef\u00fchrt werden. Diese Variation \u00fcbt einen regelrechten Sog aus, dem normalerweise (Beispiel letzte 3 Variationen aus op. 24) eine weitere Beschleunigung folgen w\u00fcrde. Nicht aber hier, denn die Variation 7 bringt im Andante leicht hingetupfte T\u00f6ne, die wiederum sehr an das Adagio aus dem 1. Klavierkonzert erinnern.<\/p>\n<p>Bei den Variationen 8 und 9 erscheinen schon die H\u00e4ndel-Variationen am Horizont, denn sie \u00e4hneln den kr\u00e4ftig zupackenden Variationen 24 und 25 aus diesem Zyklus. Die Variation 8 \u00e4hnelt mit ihren Oktavspr\u00fcngen im Bass sehr der Variation 25 aus op. 24. Die Variation 11 hingegen ist eine typische Finalvariation, die aus 2 Teilen und einer Coda besteht. Im ersten Teil wird eine Abwandlung des Themas grundiert durch eine Trillerkette im Bass ausgef\u00fchrt. Ab Takt 236 erfolgt dann ein langsam sich steigernder Aufschwung, der pl\u00f6tzlich mit einem diminuendo im Pianissimo verebbt, um dann mit einem gro\u00dfartigen Motiv das zun\u00e4chst im Diskant und dann im Bass erscheint, wiederaufzuerstehen. Die Musik klingt dann ruhig im pianissimo aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastbeitrag von Peter Westendorf Dieser Variationszyklus steht im Schatten der gr\u00f6\u00dfer angelegten Variationen op. 24 \u00fcber ein Thema von H\u00e4ndel. Dies jedoch v\u00f6llig unverdient, denn das Werk enth\u00e4lt herrliche Musik, welche den \u00dcbergangsstil von Brahms Fr\u00fchwerk hin zur mittleren Schaffensperiode sehr deutlich manifestiert.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-148","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gastebeitraege"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=148"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":463,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148\/revisions\/463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christiankoehn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}