Frank Bridge (1879 – 1941)

Frank Bridge (geboren in Brighton, am 26. Februar 1879, gestorben am 10. Januar 1941 in Eastbourne) stammte aus einer musikalischen Familie. Sein Vater, ursprünglich Lithograph, wandte sich später der Violine zu und reiste dazu in Seaford und Eastbourne herum, damit er seine Schüler unterrichten konnte. Auch wurde er musikalischer Leiter des Empire Theatre, einer Musikhalle in Brighton. Bridge wurde ab seinem sechsten Lebensjahr von seinem Vater auf der Violine unterrichtet, und als  sein Spiel weit genug fortgeschritten war, durfte er in dem Theaterorchester mitspielen. Dort vertrat er gelegentlich seinen Vater, während der auf Reisen war, und arrangierte auch für das Orchester. Die regelmäßigen Proben im häuslichen Streichquartett legten den Grundstein für seine lebenslange Beschäftigung mit der Kammermusik.

Im Jahre 1896 war sein Violinspiel soweit perfektioniert, das er am Royal College of Music in London studieren konnte, wo er bis 1903 blieb. Sein Geigenlehrer Achille Rivarde, flößte ihm ein Misstrauen gegen jede Art von Star-Allüren oder Manierismen ein, sowohl in technischen wie auch interpretatorischen Aspekten der Musik. Von der zweiten Violine im College Orchester wechselte er ab 1899 zur Viola, seinem von da an bevorzugten Instrument in der Kammermusik.

Der Kompositionsunterricht bei Stanford begann im Jahr 1899, und obwohl Bridge durch Stanfords Konservatismus häufig gereizt wurde, profitierte er zweifellos von dessen Professionalität und der Betonung der Praktikabilität. Zwei Jahre später erhielt Bridge den  Arthur Sullivan Preis für Komposition, und 1903 die Tagore Goldmedaille “für den verdienstvollsten Schüler”.

Während seiner Zeit an der Hochschule gehörte Bridge einem informellen Musikclub namens “Die geliebten Vagabunden” an, bei dem musikalische Darbietungen, ernst und amüsant, durch freundschaftliche Diskussion begleitet wurden. Aus dieser Gruppe bildete sich alsbald ein Streichquartett, zu dem auch Ethel Sinclair an der Violine zählte. Sie wurde in Elmore, in der Nähe von Melbourne in Australien geboren und gewann ein Stipendium, mit dem sie ab April 1899 am College studieren konnte. Sie teilte das Notenpult bei den zweiten Violinen im Collegeorchester mit Frank Bridge. So wurden sie ein Paar und heirateten 1908.

Nach dem Verlassen der Hochschule verdiente Bridge seinen Lebensunterhalt als Lehrer und Musiker in mehreren Quartetten, vor allem beim English String Quartet. Durch seine gewachsene Reputation wurde er vom Joachim-Quartett eingeladen um  in einer Aufführung von Brahms Sextett in G-Dur mitzuwirken (1906). Daneben wirkte er in mehreren Orchestern mit und leitete die Repertoireproben von dem neu gegründeten New Symphony Orchestra (1905), sowie Opern-Aufführungen im Savoy Theatre (1910-11) und Covent Garden (1913).

Zentrale Bedeutung für die Entwicklung und für sein Ansehen als Komponist hatten seine Erfolge bei den Kammermusikwettbewerben, die der Geschäftsmann und Amateurgeiger W. Cobbett ins Leben gerufen und unterstützt hatte. 1905 gewann er den zweiten Preis in diesem Wettbewerb mit seinem Phantasie-Streichquartett in f-Moll. Zwei Jahre später folgte der erste Preis für sein Phantasie Klaviertrio in c-Moll. Ebenso gewannen sein Phantasie Klavierquartett in fis-Moll (1910) und sein zweites Streichquartett (1915) Preise.

Trotz seiner Erfolge bei kammermusikalischen Werken blieben seine frühen Orchesterwerke ungedruckt. Das erste vollständige Orchesterwerk welches veröffentlicht wurde war die Suite, „The Sea“ (1911), die unter der Leitung von Sir Henry Wood bei den „Proms“ am 24. September 1912 erstmalig aufgeführt wurde. Es war ein sofortiger Erfolg und es blieb das erfolgreichste und meistgespielte seiner Orchesterwerke.

Als Pazifist war Bridge tief erschüttert durch den ersten Weltkrieg und geriet überdies in finanzielle Schwierigkeiten. Um die schwindenden Einnahmen aus seinen Tantiemen zu kompensieren, musste er oft zwei Tage pro Woche Violinunterricht geben, und das für viele mäßig begabte Schüler an weit entfernten Orten. Daher blieb ihm nur wenig Zeit für die Komposition. Allerdings veränderte ein Treffen mit Frau Elizabeth Sprague Coolidge, der amerikanischen Patronin der Kammermusik, seine Lage schlagartig. Sie lud Bridge im Jahre 1923 zum Berkshire-Festival ein, bei ihr zu Hause in der Nähe von Pittsfield Massachusetts, und kombinierte dies mit einer Tour die nach Cleveland, Boston, Detroit und New York führte. Mrs. Sprague Coolidge gewährte Bridge in sehr großzügiger Weise eine beträchtliche Rente für den Rest seines Lebens. Zum Dank widmete Bridge seiner Gönnerin eine Reihe von Werken.

Nach seiner Rückkehr aus den USA hatte Bridge fast alle seine Verpflichtungen aufgegeben. Er fühlte sich isoliert und unverstanden, obwohl er eingeladen wurde, von Zeit zu Zeit in den 1930er Jahren als Gastdirigent für die BBC tätig zu werden. Seit 1932 litt er an Bluthochdruck und einem schwachen Herzen, was eine ernsthafte Schwächung seiner Konzentrations-fähigkeit bewirkte. Dies führte schließlich zu seinem Tod am 10. Januar 1941.

Der musikalische Stil von Bridge ist anfangs noch geprägt von den Einflüssen die er durch Brahms oder Stanford erhalten hat. Auch der Stil französischer Komponisten wie Fauré oder Vincent D’Indy findet sich ansatzweise wieder. Insbesondere seine frühen Kammermusik-werke zeichnen sich durch eine Wärme des Ausdrucks und eine meisterhafte Verarbeitung aus. Man merkt den Praktiker im Orchester oder im Streichquartett.

Während des ersten Weltkrieges wollte Bridge Musik schreiben, die Trost spenden kann. Er konzentrierte sich in dieser Zeit stark auf Chor- und Orchesterwerke. Die Klaviersuite „The Hour Glass“ von 1920 zeigt aber schon die Fortschritte im Hinblick auf moderne Klangformen und Motivverarbeitung. Insbesondere im dritten Satz, The Midnight Tide, wo er sich mit der Bitonalität beschäftigt. Vollends zum Durchbruch gelangen seine neuen Kompositions-verfahren dann in der Klaviersonate von 1921-1924. Die Klangsprache verändert sich zunehmend und es gibt Experimente in Richtung der freien Atonalität. Bridge bewunderte Alban Berg, ging aber nicht so weit wie die Künstler der neuen Wiener Schule. Allerdings verwendet er in seinem dritten Streichquartett (1927) bereits modifizierte Reihen (neun oder zehn der zwölf chromatischen Töne befinden sich in jedem Takt) und der bitonale Akkord, ein Moll-Dreiklang mit einem Dur-Dreiklang um einen Ton höher, wird eine Art „Fingerabdruck“ von Bridge. Die Konzentration auf Quinten und Quarten, um bitonale Akkorde in seinem vierten Streichquartett (1937) zu erzeugen, suggerieren ein eher neoklassischen Ansatz, wie er auch in dem kargen und markigen Divertimento für Holzbläser (1934-38) zu Tage tritt. Leider konnte Bridge diese Entwicklungen wegen seiner fortschreitenden Krankheit nicht fortsetzen.

Klavierwerke in chronologischer Reihenfolge

  • 1902    Pensées Fugitives I in F minor
  • 1902    Scherzettino in G minor
  • 1903    Serenade
  • 1903    Moderato in E minor
  • 1905    Capriccio No. 1 in A minor
  • 1905    2 Solos for Piano (A Sea Idyll; Capriccio No. 2)
  • 1905    Étude Rhapsodique in A minor
  • 1905    Norse Legend in G minor
  • 1906    Dramatic Fantasia
  • 1906    3 Sketches (April; Rosemary; Valse Capricieuse)
  • c.1906–1908   untitled work
  • 1908    3 Pieces (Columbine; Minuet; Romance)
  • 1913–1914      4 Characteristic Pieces (Solitude; Ecstasy; Sunset; Arabesque)
  • 1916    2 Old English Songs (Sally in our Alley; Cherry Ripe) für Klavier zu 4 Händen
  • 1917    4 Characteristic Pieces (Water Nymphs; Fragrance; Bittersweet; Fireflies)
  • 1917    3 Miniature Pastorals, Set 1
  • 1917    Fairy Tale, Suite (The Princess; The Ogre; The Spell; The Prince)
  • 1918    3 Improvisations (At Dawn; A Vigil; A Revel)
  • c.1919 The Turtle’s Retort, One-step
  • 1919–1920      The Hour Glass, Suite (Dusk; The Dew Fairy; The Midnight Tide)
  • 1921    3 Miniature Pastorals, Set 2
  • 1921    3 Miniature Pastorals, Set 3
  • 1921    Miniature Suite (Choral; Impromptu; Caprice; March)
  • 1921    Threads: 2 Intermezzi
  • 1921    In the Shop, Ballet (für Klavier zu 4 Händen)
  • 1921–1924      Sonata
  • 1921–1924      3 Lyrics (Hearts Ease; Dainty Rogue; The Hedgerow)
  • 1924    In Autumn (Retrospect; Through the Eaves)
  • 1925    Vignettes de Marseille (Carmelita; Nicolette; Zoraida; En fête)
  • 1925    Winter Pastoral
  • 1926    Canzonetta (Happy South)
  • 1926    Graziella
  • 1926    A Dedication
  • c.1926 Hidden Fires
  • 1928    Gargoyle

Dramatic Fantasia

Bei diesem Werk handelt es sich offenbar um den ersten Satz einer ansonsten verschollenen Sonate. Bridge hatte das Manuskript einer ehemaligen Studienkollegin, Florence Smith aus Plymouth, gegeben, die es jedoch nie gespielt hat. So geriet es in Vergessenheit, und wurde in den 1970er Jahren wiederentdeckt.. Die erste Aufführung besorgte dann 1979 Peter Jacobs (von dem auch eine der Gesamtaufnahmen stammt). Es handelt sich um ein relativ frühes Werk (1906), welches noch deutlich von spätromantischer Stimmung durchzogen ist. Der Aufbau ist zwar jenem eines Sonatenhauptsatzes angelehnt, aber eher frei gestaltet. Nach einer langsamen rezitativisch gestalteten Einleitung wird das Hauptthema über bewegten Sechszehnteln im punktierten Rhythmus und düsterem es-Moll präsentiert. Dabei verdichtet sich die Musik zu mächtigen Akkordblöcken in der rechten Hand, und die Harmonik wird deutlich chromatisch eingefärbt. Das Nebenthema steht ebenfalls in es-Moll, und wird dann in einer hymnischen Abwandlung in B-Dur weitergeführt. In der Durchführung, soweit man davon sprechen kann, wird vor allem das Nebenthema verarbeitet, aber wie es sich für eine Fantasie gehört, tauchen noch weitere Themen auf. Auch die Reprise ist sehr frei gestaltet, und es wechseln sich dramatisch bewegte mit lyrischeren Passagen ab. Das Werk endet mit einem fff Ausrufezeichen und einer Doppeloktave auf Es.

4 Characteristic Pieces

Diese 4 kurzen Stücke zeigen den avancierten Musiker Bridge, der fortschrittliche Stile seiner Zeit aufnahm und sie mit einer eigenen Stilistik versah.

“Water Nymph” demonstriert das deskriptive Talent von Bridge, indem er eine Szene illustriert die sehr eindrücklich ist. In diesem Fall eine Wassernymphe, die durch chromatische Auf- und Abwärtsbewegungen charakterisiert wird. „Fragrance“ (Duft) ist ebenfalls ein sehr schönes Stimmungsbild, in dem mit relativ einfachen Mitteln eine betörende Atmosphäre geschaffen wird. „Bittersweet“ ist eine Studie, die wie auch die anderen Stücke dieser Suite keiner Tonart zuzuordnen ist. Die Musik bewegt sich frei  in einem weitgehend chromatischen Fluss. Auffällig sind Ähnlichkeiten zu Kompositionen aus der gleichen Zeit, etwa von dem Katalanen Federico Mompou, oder dem Russen Nicolay Roslavec, der ein „neues Tonordnungsystem“ aus synthetischen Akkorden, die fortwährend transponiert werden, entwickelt hatte. Ob Bridge davon Kenntnis hatte ist jedoch fraglich. „Fireflies“ (Glühwürmchen) ist ein Stück voller schillernder Bewegung mit stetig wechselnden Sekunden und Sechsten in der rechten Hand, und einer chromatischen Melodieführung in der linken.

3 Improvisations (für die linke Hand)

  • At Dawn (In der Dämmerung)
  • A Vigil (eine Mahnwache)
  • A Revel (Feier)

Die 3 Improvisationen sind dem Pianisten Douglas Fox gewidmet, der seinen rechten Arm bei einer Schlacht in Flandern 1917 verloren hatte. Bridge schickte ihm die Komposition 1919 und schrieb dazu „Ich bezweifle das Sie von den Stücken sofort eingenommen werden sein, wenn Sie diese zum ersten  Mal spielen, aber arbeiten Sie nur ein wenig daran, und dann glaube ich, werden sie auf eigenen Beinen stehen und Sie freundlich anlächeln“. Obwohl Bridge niemals in einem Schützengraben gelegen hat, versucht er hier etwas von der Atmosphäre einzufangen. Eine bedrohliche und trügerische Ruhe in „At Dawn“, eine expressive und dissonante Stille in „A Vigil“ und in „A Revel“  fortlaufende Triolen und ein rhythmischer Sog.

The Hour Glass, Suite

Die 3 Stücke “The Hour Glass” von 1920 vermitteln sehr unterschiedliche Stimmungen. „Dusk“ ist wie der Titel schon sagt von einer vernebelten Stimmung, die durch eine unbestimmte Harmonik zum Ausdruck gebracht wird. Das Stück ist im Geiste Debussys verfasst, und hat etwas Beklemmendes an sich. „The Dew Fairy“ (Die Tau Fee) ist eine zarte fast zerbrechliche Arabeske voller harmonischer Rückungen und sanfter Bewegung. Im Stück „Midnight tide“ (Mitternachtsflut) spürt man förmlich wie sich das Meer auftürmt. Dem zaghaften Beginn folgt eine gewaltige Steigerung, welche sich im fff entlädt, und danach wieder abklingt. Auch dieser Teil der Suite hat etwas Bedrohliches, was durch die mächtigen Akkorde mit permanenter Sekundreibung noch verstärkt wird.

Klaviersonate

Die Sonate wurde zwischen 1922 und 1924 komponiert, und ist dem Andenken von Ernest Bristow Farrar gewidmet, der im 1. Weltkrieg gefallen ist. Bridge war Pazifist, und so hat der Tod des Freundes im Kriege einen wichtigen Einfluss auf die Komposition ausgeübt. Am 15.10.1925 wurde das Werk von Myra Hess, die zu diesem Zeitpunkt noch experimentierfreudiger war als später in ihrer Karriere, uraufgeführt. Es wurde von den damaligen Kritikern zwiespältig aufgenommen. So hieß es z.B. „man respektiert das Werk eher als das man es liebt“, oder „es stammt aus direkter Nachfolge von John Ireland“. Heutzutage ist man etwas gnädiger, aber aufgeführt wird es dennoch recht selten. Dabei ist es ein wirkungsvolles Stück, welches dem Interpreten einiges an technischem Können wie auch an Gestaltung abverlangt.

1. Satz Lento ma non troppo – Allegro energico

Die Sonate beginnt langsam mit einem glockenartigen gis über 2 Oktaven und darunter schreitenden entfernten Harmonien. Nach der enharmonischen Umdeutung des gis in ein as beginnt ein unruhiger Teil, der durch die vielen Dissonanzen und permanenten Sekundreibungen sehr aggressiv wirkt. Es stellen sich hier Assoziationen zum Kriegsgeschehen ein. Ein fallendes Motiv (gis-fis-e) zieht sich wie ein roter Faden durch den Satz, der wesentlich aus der Verarbeitung dieses Motives bzw. seinen Abwandlungen besteht. Diese Sequenztechnik erinnert ein wenig an ein ähnliches Verfahren, welches zeitgleich vom russischen Komponisten Nikolay Roslavec entwickelt wurde („zur Bändigung der Chromatik“). In der Tat ist die Tonsprache dieses Satzes (und der ganzen Sonate) gegenüber vielen anderen Kompositionen von Bridge sehr avanciert und durchaus auf der Höhe der Zeit, wobei er konsequent Experimente mit Reihen vermeidet. Der Satz schließt mit einer Coda, die von der Wiederkehr des doppelten gis, diesmal im ff, eingeleitet wird.

2. Satz Andante moderato

Der zweite Satz folgt attacca in einer trostlosen Stimmung. Hier entfernt sich Bridge noch mehr als im ersten Satz von einer zentralen Tonalität, obwohl der Satz in einer hohlen d-Moll Quinte endet. Auch hier stellt sich das Bild eines verlassenen Schlachtfeldes ein, auf dem nur noch Verwüstung herrscht.

3. Satz Lento- Allegro non troppo

Nach einer langsamen Einleitung folgt ein von kurzen Motiven bestimmter Aufschwung über mehrere Oktaven. Der Duktus des Satzes ist unruhig, von häufigen Taktwechseln bestimmt und weit ausschwingend mit einer großen dynamischen Bandbreite. Punktierte Rhythmen wechseln sich ab mit Triolen und der Folge von 2 Achtelnoten vor einer Viertelnote. Nach einer letzten abstürzenden Figur im fff endet der Satz im ausklingenden ppp.

Three Lyrics

Die „Three Lyrics“ stammen aus den Jahren 1921-24 und zeigen bereits eine fortgeschrittenere Tonsprache. Hearts Ease beginnt mitpentatonischen Akkorden ppp im hohen Diskant, die das ganze Stück in einzelne Abschnitte gliedern. Dazwischen erklingt eine Melodie, deren Grundierung die Tonart E-Dur kaum verlässt. Dainty Rogue (putziger Schalk) ist ein kurzes chromatisches Scherzando, eine Art Scarbo im Kleinformat. Es huscht schnell vorüber und vollführt dabei allerlei Sprünge. The Hedgerow (der Heckenweg) ist von ständigen Stimmungs- und Harmoniewechseln durchzogen, die niemals Ruhe aufkommen lassen. Auch hier überwiegt das chromatische Kolorit.

Vignettes de Marseille

Das erste der 4 Stücke „Carmelita“ würde man statt in Marseille eher in Cadiz verorten, denn es verströmt den Charme spanisch-arabischer Musik mit seinen scharfen Akzenten und der Gitarrenimitation. Man würde niemals vermuten, dieses Stück sei von einem britischen Komponisten geschaffen worden. Aber Frank Bridge war ein sehr wandlungsfähiger Musiker. „Nicolette“ ist ein kapriziöses Wesen, das sich zunächst ziert ihren Tanz zu beginnen, aber dann doch ein reizendes Ballett aufführt. „Zoraida“ steht für die in Marseille vertretenen arabisch-maurischen Ethnien, und „En fête“ beschließt den Zyklus in einer ausgelassenen Stimmung.

Gargoyle

Gargoyles sind die Wasserspeier, welche sich z. B  an gotischen Kirchen finden. Das Stück wurde im Sommer 1928 komponiert, und zeigt Bridge in seiner expressionistischen Phase mit einer sehr fortgeschrittenen Klangsprache. Da sein Verleger es nicht veröffentlichen wollte, musste das Werk bis 1975 auf seine Erstaufführung warten. Der Musikwissenschaftler Paul Hindmarsh besorgte dann die Erstausgabe. Er bemerkte dazu: „Dieses Werk ist in mehrfacher Hinsicht eines der originellsten von Bridge, und seine formale Gestalt, wie auch die harmonische Sprache sind absolut neuartig“.

Tatsächlich ist die Musik mit seiner permanenten Chromatik, den rhythmischen Vertracktheiten und dem sprunghaften Charakter ziemlich einzigartig in der Klaviermusik von Frank Bridge, und sie zeigt die Entwicklung seiner Klaviermusik in seinem letzten Lebensabschnitt.

Diskografie

Es existieren 3 Gesamtaufnahmen der Klavierwerke (Stand März 2019, wobei es in jeder dieser Aufnahmen Lücken gibt). Leider bleiben einzelne Stück trotz allem weiterhin unaufgenommen.

  • Peter Jacobs               Continuum
  • Ashley Wass                Naxos
  • Mark Bebbington        SOMM

Bibliografie

The Music of Frank Bridge
Fabian Huss

Frank Bridge: Radical and Conservative
Anthony Payne

The music of Frank Bridge
Anthony Payne, Lewis Foreman, John Bishop

Charles Villiers Stanford (1852-1924)

Von Peter Westendorf

Charles Villiers Stanford wurde als Sohn eines wohlhabenden irischen Anwalts am 30. September 1852 in Dublin geboren. Seine Familie war ausgesprochen musikalisch: Der Vater betätigte sich als Sänger, die Mutter als Pianistin. In diesem Umfeld wurde Stanfords außergewöhnliches Talent schnell erkannt und gefördert. Als Kind lernte er Klavier und Orgel bei bekannten Lehrern in Dublin, und bei einer Reise der Familie nach London im Jahr 1864 knüpfte Stanford bereits Kontakte zu dortigen Komponisten und Musikern, wie z.B. zu Sir Arthur Sullivan.

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