William Sterndale Bennett (1816 – 1875)

von Peter Westendorf

William Sterndale Bennett (1816-1875), geboren in Sheffield, verbringt seine Jugendzeit in Cambridge und studiert ab 1826 Klavier, Violine und Komposition bei William Crotch und Cipriani Potter an der Royal Academy of Music in London, debütiert 1832 mit seinem Klavierkonzert d-Moll op. 1 in Cambridge, ist 1834/35 als Organist an St. Anna in Wandsworth  angestellt und reist mehrfach nach Deutschland, wo er mit Mendelssohn, Spohr und Schumann freundschaftlich verkehrt. Letzterer widmet ihm seine Sinfonischen Variationen op. 13.

Er konzertiert als Pianist, und wird 1856 zum Professor für Musik an der Universität Cambridge ernannt. Dieses Amt behält er bis 1866 inne, wo er als Direktor an die Royal Academy of Music wechselt. Vier Jahre vor seinem Tode wird er geadelt.

 

Die Klaviermusik von Bennett umfasst eine Reihe der zeittypischen Genrestücke (Impromptus, Romanzen, Charakterstücke) aber auch ambitioniertere Werke wie die 5 Klavierkonzerte oder die beiden Sonaten. Die Klavierkonzerte sind ausgesprochen charmant und gut gearbeitet, und stehen denen seiner Zeitgenossen wie Moscheles, Mendelssohn oder Herz nahe. Es gibt nur wenige Tonaufzeichnungen dieser Konzerte, aber die Aufnahmen mit Malcolm Binns auf Lyrita sind sehr gelungen. Im März 2018 erscheint bei Hyperion eine Aufnahme mit Howard Shelley und dem BBC Scottish Orchestra als Solist und Dirigent der Konzerte 1-3. Das Konzert Nr.4 wurde in dieser Besetzung bereits früher veröffentlicht.

Einspielungen seiner Klavierwerke sind eher spärlich. Zu erwähnen sind die beiden CDs welche Ilona Prunyi bei marco polo veröffentlicht hat.

Eine ausführliche Biografie verfasst von seinem Sohn J.R. Sterndale Bennett aus dem Jahre 1907 ist hier nachzulesen https://archive.org/stream/lifeofwilliamste00bennuoft#page/n14/mode/1up

Einzeldarstellungen

Sonate Nr. 1 f-Moll op. 13 (1837)

  • Moderato espressivo
  • Scherzo: Allegro agitato
  • Serenata: Moderato grazioso
  • Finale: Presto agitato

Die Sonate ist mit einer Spielzeit von fast 35 Minuten sehr ausladend. Die Gefühlswelt entspricht dem der Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn, und bemüht sich um einen sangbaren und lyrischen Stil. Sie ist trotz derselben Tonart weit entfernt von der Dramatik der Sonate op.57 (Appassionata) von Ludwig van Beethoven. Sie bietet auch keine großen technischen Schwierigkeiten, und ist wohl auch für geübte Laien spielbar. Womit Bennett einem starken Bedürfnis seiner Zeit nach spielbarer Hausmusik Rechnung getragen haben dürfte.

Im ersten Satz herrscht eine romantische Grundstimmung, die sich nicht lange beim eher düsteren f-Moll aufhält. Der Aufbau ist schulmäßig gestaltet, und in der Durchführung kommt etwas Dramatik auf, die aber zum Schluß wieder lyrisch gewendet wird, und den Satz in F-Dur enden lässt.

Das Scherzo nimmt den Tonfall des ersten Satzes wieder auf und enthält auch wenig dramatisches. Einen Kontrast zum ersten Satz gibt es so gut wie nicht. Im langsamen Satz könnte man ohne weiteres eine Singstimme ergänzen, denn auch die Begleitung entspricht der eines Liedes. Das Finale ähnelt sehr dem Lied ohne Worte op.85 Nr. 6 von Felix Mendelssohn (welches jedoch ein paar Jahre später komponiert wurde) mit seinen bewegten 3er Gruppen von Achtelnoten. Auch hier wird der Grundcharakter der Sonate nicht verlassen, was leider dem gesamten Werk eine gewisse Eintönigkeit verleiht.

Sonate Nr. 2 „Die Jungfrau von Orleans“

Eine Sonate in 4 Bildern über das Leben der Johanna von Orleans.  Jedem Satz ist eine Zeile aus dem Drama von Schiller vorangestellt.

  • Auf den Feldern
  • Auf dem Schlachtfeld
  • Im Kerker
  • Das Ende

Der erste Satz der Sonate ist eine schlichte Pastorale und drückt eine ruhige und friedliche Stimmung aus. Bewegter wird es da schon im 2. Satz, der das Kampfgetümmel beschreiben soll. Er beginnt mit einem Marsch und wird dann zunehmend belebter, bis zu einigen wild bewegten Passagen, um dann den vorherigen Marschrhythmus wieder aufzunehmen. In ihrer Dramatik wirkt die Musik etwas zahm, so dass es mehr der Stimmung eines Bildes von William Turner entspricht. Aber kontrollierte Emotionen sind typisch für den Stil von Bennett. Revolutionäre Affekte sind seine Sache nicht.

So ist auch der 3. Satz (im Kerker) keine Klage über die Entbehrungen und den Verlust der Freiheit, sondern mehr ein Gebet zu Gott, der Johannas Seele zu sich holen möge.  Der Schlußsatz  mit dem Motto „Kurz ist der Schmerz und ewig ist die Freude“ gibt genau diesem Verklärungsgedanken Ausdruck, der das Schauspiel beschließt. Ein freudiger Gesang auf die Überwindung des Bösen und die Einkehr ins Himmelreich. Musikalisch in sehr bewegten Tönen dargestellt.

Suite de pièces op. 24 (1842)

  • Presto leggiero
  • Capricciosa: Andante – Allegretto leggiero
  • Agitato assai
  • Alla fantasia: Moderato quasi Andante
  • Presto agitato
  • Lento – Bravura

Die Vortragsbezeichnungen deuten schon darauf hin, dass es sich bei dieser Suite einzelner Charakterstücke um eine flotte Angelegenheit handelt. Auch wenn wieder die Nähe zu Mendelssohn deutlich spürbar ist, so lugt auch gelegentlich Schumann um die Ecke, aber eher mit seinen frühen Klavierwerken. Die Stücke versprühen einen besonderen Charme, sind gut gearbeitet, haben einen melodisch und harmonisch interessanten Ausdruck, und sind vor allem quicklebendig. Die vorherrschende Stimmung dieser Stücke ist der „Style brilliant“, welcher zu der Zeit noch immer in Mode war. Besonders schön gelungen ist das letzte Stück, welches in Sonatenform gearbeitet ist. Die kurze Einleitung nimmt gewissermaßen Anlauf um sich in das Thema mit Bravour hineinzuwerfen.

Weitere Werke

Capriccio d-moll op. 2 (1836), 3 Musikalische Skizzen op. 10: 1. Der See E-dur, 2. Der Mühlbach e-moll, 3. Der Springbrunnen H-dur (1836), Romanze h-moll (1836), 6 Etüden (c-moll, E-dur, B-dur, f-moll, D-dur und g-moll) op. 11(1834/35), 3 Impromptus h-moll, E-dur und fis-moli op. 12 (1836), 3 Romanzen b-moll, Es-dur und g-moll op. 14 (1837), Fantasie A-dur, viersätzig op. 16 (1837),3 Diversions zu 4 Händen A-dur, E-dur und a-moIl op. 17 (1838), Allegro grazioso A-dur op. 18 (1838), Fandango (1840), Rondo piacevole F-dur op. 25 (1842), 2 Etüden op. 26: 1. L’amabile Es-dur, 2. L’appassionata g-moll (1848), Scherzo e-mol] op. 27 (1845), 3 Klavierstücke op. 28: 1. Introduzione e pastorale A-dur, 2. Rondino E-dur, 3. Capriccio a-moll (1846-49), Thema und Variationen E-dur op. 31 (1850), 30 Preludes and Lessons in allen Tonarten op. 33 (1853), Rondo »Pas triste, pas gai» g-moll op. 34 (1854), Rondeau á la polonaise c-moll op. 37(1855), Toccata c-moll op. 38 (1854), Sonatine C-dur (1871) und zahlreiche Miniaturen

Werke für Klavier and Orchester

4 Konzerte: Nr. 1 d-moll op. 1 (1832), Nr. 2 Es-dur op. 4 (1833), Nr. 3 c-moll op.9 (1834) und Nr. 4 f-moll op. 19 (1838), Caprice E-dur op. 22 (1838, auch für Klavier solo) und Konzertstück A-dur, dreisätzig (1841-43)

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