Brahms Klavierstücke, Arcadi Volodos

Drei Jahre nach der CD mit Klavierwerken des spanischen Komponisten Frederic Mompou hat Arcadi Volodos bei Sony Classical eine Einspielung später Klavierstücke von Johannes Brahms veröffentlicht. Sie enthält die ersten vier der acht Stücke op. 76, die drei Intermezzi op. 117 sowie die sechs Klavierstücke op. 118. Volodos, der zu Beginn seiner internationalen Karriere in den 90er Jahren mit seiner einzigartigen, mühelosen Virtuosität zu Recht Weltruhm erlangte, entzog sich dann in der Folge den Erwartungen von Markt und Publikum, indem er statt virtuoser Glanzstücke und in die eigenen Finger komponierter Transkriptionen Sonaten von Schubert, Robert Schumanns Kinderszenen oder eben selten gehörte Stücke von Mompou auf seine Programme setzte. Dieser Bruch mit der eigenen Vergangenheit, die Skepsis gegenüber dem – für ihn offenbar leichten und vielleicht allzu glänzenden – Erfolg und die Verweigerung, die damit geweckten Erwartungen weiterhin zu erfüllen, verbindet ihn mit Johannes Brahms, der nach seinen kühnen, ungebrochen optimistischen und nicht nur Robert Schumann in Staunen versetzenden frühen Klaviersonaten ebenfalls einen radikalen Ausdruckswechsel vollzog, der sich in seinen Klavierwerken zum ersten Mal in den vier Balladen op. 10 manifestierte.

Es lag also eine gewisse Seelenverwandtschaft nahe, als Volodos jetzt, nach jahrelanger Konzerterfahrung ins Studio ging, um eine gewichtige Auswahl der späten Klavierstücke einzuspielen. Virtuos ist sein Spiel indessen immer noch, nur auf andere Art als früher: in der schier unendlichen Vielfalt der Klang- und Dynamikabstufungen im Piano und Pianissimo, in der unaufdringlich präzisen Stimmführung und Polyphonie, in der Klarheit der Artikulation, in der klugen und fein abgestuften Pedalbehandlung und in vielem mehr. Volodos spielt diese Stücke mit inniger Hingabe und unsentimentaler Melancholie. Sein Cantabile (als Kind begann er seine musikalische Ausbildung im Gesang) „leuchtet“ noch in den untersten Dynamikbereichen, seine agogische Gestaltung ist geprägt von großer Ruhe, Freiheit und Natürlichkeit. Man höre etwa die glasklaren Klangabstufungen am Beginn des Intermezzos op. 118 Nr. 2, wo Brahms nacheinander piano, piano dolce, pianissimo und pianissimo dolce verlangt, was Volodos wie selbstverständlich hörbar macht. Vor allem aber: Er schafft es, das gewissermaßen „Private“ dieser Musik zu bewegendem Ausdruck zu bringen, ohne ihre Intimität zu stören oder gar zu zerstören. Große Musik, gespielt von einem großen Musiker und Pianisten.

 

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